Freitag, 9. August 2013

Die drei Möglichkeiten, sich angemessen in einem Beziehungsstress zu verhalten (Teil 1)


Ihr könnt es drehen und wenden, wie Ihr wollt: Jedes Verhalten außerhalb dieser drei Möglichkeiten verursacht Stress und führt nicht selten zu Frust. Diejenigen aber, die sich grundsätzlich für eine dieser drei Möglichkeiten entscheiden, zapfen damit ein unglaubliches Potential für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben an. Das gilt grundsätzlich für jede Situation. Das Thema "Beziehungen" habe ich beispielhaft deshalb gewählt, weil hier eines besonders deutlich wird: Du kannst Dich unglaublich machtlos fühlen, wenn Du Dich außerhalb dieser drei Möglichkeiten bewegst.
Bevor wir uns den genannten drei Möglichkeiten zuwenden noch ein Hinweis: Falls Du es noch nicht getan hast, dann lies erst vorher den Beitrag "Drei hervorragende Möglichkeiten für eine wirksame Veränderung". Er gibt eine kleine Einführung in das Prinzip und bildet die Basis für diesen Dreiteiler.
Die erste Möglichkeit: Change it!
Es scheint üblich zu sein, dass sich Beziehungspartner ständig gegenseitig verändern wollen. Ich habe in dem Zusammenhang mal den Begriff "zweiter Erziehungsweg" gelesen und finde ihn sehr passend. Überleg doch mal: Jemand kritisiert Dein Verhalten, nörgelt ständig an Dir rum und überschüttet Dich mit Vorwürfen. Wie würdest Du damit umgehen?
Es gibt einen Grundsatz: Druck erzeugt Gegendruck! Es ist nahezu unmöglich, durch ein druckvolles Agieren den anderen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Meistens erreichst Du damit sogar das Gegenteil von dem, was Du willst. Dein Partner wird sich zur Wehr setzen und sein Verhalten verteidigen.
Oft kommt es außerdem zu einem Gegenangriff, weil Deinem Partner ja auch einige Deiner Eigenschaften missfallen: „Du hast es gerade nötig! Wie war das denn letzte Woche? Wenn ich noch daran denke, wie Du Dich beim Besuch unserer Freunde aufgespielt hast! Immer musst Du Dich in den Vordergrund drängen und hörst nie zu!“ Das lässt Du natürlich nicht auf Dir sitzen: „Das ist mal wieder typisch für Dich! Nur weil Du kein Interesse an spannenden Diskussionen hast, bewertest Du mein Verhalten als 'in den Vordergrund drängen'. Wenn Du Dich mehr für das interessieren würdest, was mich beschäftigt, dann …"
Diesen Kreislauf könnt Ihr solange steigern, bis entweder ein handfester "Rosenkrieg" entsteht, oder Ihr Euch irgendwann lethargisch auseinander lebt. Wer keinen Bock mehr auf diesen zermürbenden Kampf hat, der schaltet einfach auf "Durchzug".
Wir haben ja bereits festgestellt, dass unser Einfluss auf andere Menschen begrenzt ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir überhaupt keinen Einfluss haben. Jeder von uns hat die Veranlagung, andere von seinen Standpunkten zu überzeugen und diese zu beeinflussen. Daran ist grundsätzlich nichts verkehrt. Problematisch wird es erst dann, wenn ich die Andersartigkeit nicht mehr respektiere und versuche, auf Biegen und Brechen zu manipulieren. Das Kuriose dabei ist: Die Methode "Druck und Vorwürfe" hat noch nie funktioniert - noch nie in der gesamten Geschichte der Menschheit - und trotzdem versucht die Mehrheit der Menschen immer wieder auf diese Weise ihre Ziele zu erreichen. Immer wieder versuchen die Leute eine Methode anzuwenden, die noch nie geklappt hat und auch niemals klappen wird.
Was könntest Du nun tun, damit sich Deine Partnerschaft positiv entwickelt? Zunächst ist es sinnvoll, Dir ein "gutes" Ziel zu suchen, wie im Beitrag "Wie man sich sinnvolle Ziele setzt und diese auch erreicht" beschrieben. Ein Ziel, das Du aus eigenen Stücken erreichen kannst, gibt Dir das Gefühl von Fähigkeit und Souveränität. Das bleibt nicht ohne Außenwirkung. Was passiert denn, wenn Dein Partner merkt, dass Du ihm nichts Böses willst und ihn in seiner Eigenart akzeptierst, liebst und wertschätzt? Was meinst Du? Wird er Dir eher zuhören und sich über das Gedanken machen, was Dich beschäftigt? Du kannst Dir sicher sein, dass die Chance auf jeden Fall wesentlich größer ist, als wenn Du Druck ausübst.
Sucht Euch dann gemeinsame Ziele, die Euch beide am Herzen liegen. Manchmal ist es durchaus sinnvoll, einen Kompromiss zu schließen. Ihr solltet nur darauf achten, dass ihr beide dabei Gewinner seid. Wenn einer von Euch das Gefühl hat, sich zu verbiegen und seine Bedürfnisse in großem Umfang hintenan zu stellen, dann funktioniert das nicht auf Dauer. Jeder sollte sein "Ich" leben können und gleichzeitig zusammen mit dem Partner ein "Wir" entwickeln. Wenn Ihr gemeinsame Ziele habt und dabei sogar eine gemeinsame Vision heranwächst, dann entsteht eine unglaubliche Verbundenheit. So könnt Ihr in Eurer Beziehung wachsen, ohne Eure eigene Identität zu verlieren.
Leider kommt jetzt noch eine schlechte Nachricht: Selbst wenn Du alles beherzigst, was Du bisher gelesen hast, ist das noch keine Gewähr für eine gut funktionierende Beziehung. Es kann ja sein, das Du nur das Beste für Deinen Partner und Dich möchtest. Stellt sich dieser aber quer, hast Du unter Umständen keine Chance. Du kannst zwar in Deinem eigenen Leben alles verändern, doch auf das Leben anderer hast Du eben nur einen begrenzten Einfluss. Sollte also eine positive Veränderung deshalb nicht möglich sein, kommt nur eine der beiden anderen Möglichkeiten in Frage: "Love it" oder "Leave it".
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