Donnerstag, 17. April 2014

Das Kreuz - Gedanken zum Karfreitag (Teil 2)

Während der erste Teil dieses Thema ziemlich theoretisch und theologisch war, dann geht es im zweiten Teil um eine gewaltige persönliche Herausforderung. Sie geht “unter die Haut”, wenn man sie richtig begriffen hat.

Vor einigen Jahren hatte es mich kurz vor Weihnachten umgehauen, und ich war zwei lang Wochen krank. An dem schlimmsten Tag meiner Krankheit befand ich mich mit Fieber in einer Art “Dämmerzustand”. Mein Verstand funktionierte nicht mehr in der üblichen Weise und trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deshalb, erreichte meine Sinne ein Bild, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Ich kannte die Geschichte von der Kreuzigung sehr gut und war imstande, alle Einzelheiten und Aussagen wiederzugeben. Trotzdem kam es mir so vor, dass ich an diesem Tag zum ersten Mal erfasst habe, was “Vergebung” wirklich bedeutet.

Jesus hat am Kreuz gerufen: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!”  Wieso sollten die beteiligten Römer und Juden denn nicht gewusst haben, was sie tun? Waren die denn blöd, oder was? Sie hatten einen Mann hingerichtet, der sich nie etwas zu schulden kommen ließ, Menschen in Not half und die Liebe auf eine Weise lebte, wie es sie kein zweites Mal gab. Ganz so einfach ist das aber nicht. Wenn wir dieses Ereignis aus der Distanz betrachten, ist es nicht schwer zu einer realistischen Einschätzung des Sachverhaltes zu kommen.

Die beteiligten Menschen jedoch hatten aufgrund verschiedener Einflüsse eine verzerrte Wahrnehmung. Es gab einige Drahtzieher, denen es gelang, das Volk gegen Jesus aufzuwiegeln. Es fing im Kleinen an und führte dazu, dass bald überall die Rufe “Kreuzigt ihn, kreuzigt ihn!” erklangen. Sie wirkten als Suggestion wie eine Gehirnwäsche. Vielleicht haben die römischen Oberbefehlshaber ihren Soldaten vermittelt, dass Jesus für das Imperium eine Gefahr darstellt und als Verräter und Volksverführer seiner gerechten Strafe nicht entgehen durfte. Die ausführenden Menschen waren davon überzeugt, etwas Gutes und Richtiges zu tun, und waren sich der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst. Ihr Handeln mag böse gewesen sein, ihre Motive waren es jedoch nicht. Jesus wusste das genau als er rief: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” Er selbst hatte ihnen in diesem Moment bereits vergeben.

Was fangen wir nun mit dieser Erkenntnis an? Wie integrieren wir Karfreitag in unser eigenes Leben? Vergeben zu können ist auf jeden Fall gut, das war mir auch schon früher bereits klar. Durch meine Vergebung geht es mir selbst besser und auch dem Menschen, dem ich vergebe. Ich muss mir allerdings eingestehen, dass es mir oft einfach nicht gelang. Es schien so unsagbar schwer, das konsequent zu praktizieren.

Um zu verdeutlichen, warum das so ist, möchte ich Euch zu einem Experiment einladen. Stellt Euch eine Situation vor, in der ihr unter dem Handeln eines anderen Menschen gelitten habt. Dann sagt Ihr den Satz: “Dieser Mensch hätte anders handeln können und müssen. Er hat mir absichtlich wehgetan”. Beobachtet dann, was mit Euren Gefühlen passiert. Wenn Ihr genau darauf achtet, werdet Ihr sogar körperliche Symptome wahrnehmen.

Bringt Euch danach in einen einigermaßen neutralen Emotionszustand. Dann begebt Ihr Euch in genau die gleiche Situation, sprecht aber etwas anderes zu Euch: “Dieser Mensch konnte nicht anders handeln. Er hat sein Bestes gegeben und hat mir zu keinem Zeitpunkt schaden wollen. Es wusste nicht, dass er mir weh tut und deshalb trifft ihn keine Schuld.” Spürt Ihr den gewaltigen Unterschied in Euren Gefühlen?

Richtig vergeben könnt Ihr nur, wenn Ihr Euer Urteil zurücknehmt. Eure Gefühle sind bisher immer davon ausgegangen, der andere sei ein richtiges A… und wollte Euch absichtlich etwas Böses antun. Das ist aber ein Beurteilungsfehler. Ich möchte jetzt nicht missverstanden werden: Das hier soll keine Aufforderung sein, eine falsche Handlung oder eine verletzende Tat zu verleugnen oder schön zu reden. Es geht darum, zu verinnerlichen, welches Motiv hinter dem Handeln steht. Viele Menschen machen grobe Fehler, wollen aber eigentlich etwas Gutes bezwecken. Sie sind sich der Tragweite Ihres Handelns nicht bewusst, genauso wie die Menschen, die Jesus ans Kreuz geschlagen haben. Wenn Ihr diese Erkenntnis beherzigt, erlebt Ihr eine emotionale Revolution und Ihr werdet feststellen, dass Vergebung möglich ist.

Fotos © : Dieter Schütz / PIXELIO

Mittwoch, 16. April 2014

Das Kreuz - Gedanken zum Karfreitag (Teil 1)


 “Mich würde auch interessieren, da heute Karfreitag ist, was für Dich die Kreuzigung symbolisiert …”, das schrieb mir eine Bekannte. Als ich meine Gedanken dazu sammelte, kam so viel dabei heraus, dass ich nun daraus zwei Blogbeiträge mache. Alle Aspekte hier aufzuzeigen, würde den Rahmen sprengen, daher beschränke ich mich auf die beiden, die für mich momentan die bedeutsamsten sind.

Wenn man mich früher gefragt hat, ob ich religiös bin, habe ich das verneint. Ich habe meistens geantwortet, dass ich an Gott glaube, aber mich nicht als religiöser Mensch bezeichnen würde. Seit ich mich mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes “Religion” auseinander gesetzt habe, sehe ich das anders. Re-ligio heißt wörtlich übersetzt Rück-Verbindung. Der ursprüngliche Zustand war demnach Einheit, erfuhr dann eine Form des getrennt seins und wird durch Re-ligio wieder miteinander verbunden.

Vor Jahren habe ich mal ein Buch gelesen, in dem Jesus als der zweite Mensch bezeichnet wurde. Der erste Mensch war Adam. Den Gedanken findet man auch an zwei Stellen in der Bibel, es wird dort nur ein wenig anders ausgedrückt. Der erste Mensch hat die Trennung verursacht, und der zweite Mensch hat die Einheit wieder hergestellt. Beide hatte ihre freie Entscheidung. Adam hat sich dazu entschlossen, den Zustand des getrennt seins zu erleben und dieser wird als “Sünde” bezeichnet. Dieser Begriff ist nicht ganz unproblematisch. Wenn man die Leute fragt, was sie unter Sünde verstehen, kommen Antworten wie Böses tun, Unmoral oder sexuelle Verfehlungen. Man erinnert sich an die “sieben Todsünden” oder an den Spruch aus der Kindheit “Brot wegwerfen ist Sünde”. Vergesst es - das alles hat hier nichts zu suchen.

Im griechischen Urtext der Bibel steht für Sünde das Wort "hamartia" (αμαρτια). Es bedeutet so viel wie “nicht treffen” oder “ein Ziel verfehlen”. Das Ziel unseres Menschseins ist die Einheit. Leben wir im getrennt sein, haben wir dieses Ziel verfehlt. Sünde bedeutet nicht mehr und nicht weniger und hat nichts mit einer ethischen Moralvorstellung zu tun.

Viele Leute glauben, man müsste ein “guter Mensch” sein, alle Gebote einhalten und wird dann mit dem Himmel belohnt, während alle Bösewichte und Sausäcke ins Fegefeuer geschmissen werden. Da sitzt ein Gott auf einer Wolke und zählt unsere Punkte, aber verrät keinem, ob man genug gesammelt hat oder nicht. Leute, das ist totaler Käse! Es hat mit dem ursprünglichen christlichen Gedanken überhaupt nichts zu tun. Irgendwelche Kirchenfuzzis haben im Mittelalter ihre Schäfchen mit diesen Lehren verblödet und das als Machtinstrument missbraucht.

Im Mittelalter gab es einen Mann namens Martin Luther, der das geschnallt und ordentlich auf den Putz gehauen hat. Leider haben viele seiner Anhänger das aber trotzdem nicht so richtig kapiert und deshalb gab es immer wieder mal kleinere Reformationen. Wenn ihr mich fragt, wir könnten heute auch mal wieder eine gebrauchen, um den ganzen frommen Muff wieder in Richtung Leben und Lehre Jesu zu lenken.

Nun kommt der Spiegelbegriff der Sünde ins Spiel: “Erlösung”. Der Mensch wird aus dem Zustand des getrennt seins “gelöst” und erhält den Zugang zur Einheit. Jesus sagte: “Ich und der Vater sind eins!” Er war sich der Einheit mit Gott bewusst und hat sie gelebt. Das Kreuz ist das Symbol der Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch. Wir haben Zugang zur Einheit mit Gott. Ob wir den Zustand der Einheit oder lieber den Zustand des getrennt seins erfahren wollen, können wir selbst entscheiden!

Foto © : Petra Bork / PIXELIO

Donnerstag, 2. Januar 2014

Altes Jahr raus und neues Jahr rein - gute Vorsätze müssen her, oder?

Diesen Rutsch ins neue Jahr habe ich nie verstanden, rein wissenschaftlich gesehen ist es doch nur ein Datumswechsel. Die Chinesen feiern das neue Jahr meines Wissens nach im Februar, also was ist das Besondere an diesem Tag?

Sind es die guten Vorsätze, die vielen Wünsche und positiven Absichten, die wir daran binden? Sind es die Erwartungen?

Wer kennt das nicht: Die Vorsätze sind gut und nach Mitternacht oft schnell vergessen oder gebrochen. Wir stellen ständig Erwartungen, an Situationen, an andere Menschen und nicht zuletzt an uns selbst und das LEBEN.

Was, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden? Dann sind wir vom Leben, den Leuten oder uns selbst enttäuscht. Wie reagieren wir dann? Sind wir dann gerecht mit uns und den anderen?
Eine zu hohe Erwartungshaltung kann uns viele schöne Situationen kaputt machen. Wer von uns ist perfekt? Und wer von uns denkt er müsse der perfekte Mensch sein, ein(e) perfekte(r) Mutter/Vater, ein(e) perfekte(r) Ehefrau/Ehemann oder Gastgeber(in)? Was erwarten wir von uns? Oft zuviel und wenn wir oder die anderen dies nicht erfüllen können sind wir enttäuscht.

Ich esse gern thailändisch. Thailänder schärfen das Essen oft so gut, dass es ein Genuss ist für mich. Ich mag es wenn sich die frischen Gewürze zu einem Gaumenfeuerwerk in meinem Mund entzünden. Man schmeckt die Kokosmilch, das Zitronengrass und andere Gewürze und auf einmal wird es scharf im Mund, aber nur so stark, dass es nach wenigen Sekunden wieder neutral wird. Wenn ich allerdings etwas zu viel Chili nehme, dann brennt der Mund danach so stark … ich nehme dann keine Nuancen mehr wahr oder wenn es sehr viel schärfer ist, dann schmecke ich gar nichts mehr. Bis mir der Schweiß von der Stirn tropft und jeder Bissen zur Qual wird.

Genauso verhält es sich mit den Erwartungen. Sind sie zu hoch, dann entgehen uns die schönen Nuancen des Lebens, wir haben dann dieses brennen des Chili im Mund und die kleinen, feinen, schönen Momente können wir nicht mehr wahrnehmen. Aufmerksamkeit geht verloren durch zu hohe Erwartungen, mein Fokus der Wahrnehmung ist dann zu eng, zu begrenzt. Begrenzt auf das was uns scheinbar sehr wichtig ist, die Erwartung!

Deshalb habe ich meinen guten Vorsatz für dieses Jahr ohne zu hohe Erwartungen gefasst. Ich mag weiterhin das Essen genießen, die Menschen so wahrnehmen wie sie sind und meine Erwartungen minimieren.

Was für Vorsätze hast du?

Eine gute Zeit
Chris

Wie Ihr gerade gemerkt habt, bin ich nicht der Verfasser des obigen Textes. Geschrieben wurde er von Chris Hagen. Chris ist “Glückscoach” und Trainer für "Walking in your shoes".

Fotos © PIXELIO
“Zum Jahreswechsel” von Berggeist007
“Chilies″ von Helmut Leutner

Montag, 30. Dezember 2013

Dinner for One 2.0

The same procedure as every year - Dinner for One gehört zu Sylvester wie das Amen zur Kirche! Vermutlich kennt so ziemlich jeder von Euch den Clip mit Freddie Frinton und May Warden.
Es gibt aber noch eine andere Version mit Otto Walkes und Ralf Schmitz. Die ist einfach nur zum Schlapplachen!

Freitag, 13. Dezember 2013

Ich wünsche mir nur, dass mein Dad zu Weihnachten nach Hause kommt

Die kleine Stephanie hat nur den einen Wunsch an den Weihnachtsmann, dass ihr Vater zum Weihnachtsfest aus dem Irak nach Hause kommt. Sie hat ihn in den letzten 2 Jahren gerade mal 2 Wochen gesehen. Der Reporter ist so bewegt, dass ihm dabei die Tränen kommen.


 

Donnerstag, 21. November 2013

Es weihnachtet sehr!

Montag, 7. Oktober:
Schönster Altweibersommer. Noch einmal Menschen in T-Shirts und Sandalen in den Straßencafés und Biergärten. Bisher keine besonderen Vorkommnisse in der Innenstadt. Dann plötzlich um 10.47 Uhr kommt der Befehl von ALDI-Geschäftsführer Erich B.: “Fünf Paletten Lebkuchen und Spekulatius in den Eingangsbereich!” Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst reagiert LIDL-Geschäftsführer Martin O. eher halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse.

15.07 Uhr:
EDEKA-Marktleiter Wilhelm T. hat die Mittagspause genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage.

16.21 Uhr:
Die Filialen von TSCHIBO und NORMA bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht gegen halten und fordern ein Weihnachtsstillstandsabkommen bis zum 12. Oktober. Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.

WeihnachtsdekorationDienstag, 8. Oktober, 7.30 Uhr:
Im Eingangsbereich von KARSTADT bezieht überraschend ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während zwei Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbei hastende Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören. Zeitgleich erstrahlt die Kaufhausfassade im gleissenden Schein von 260000 Elektrokerzen. Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zuschauen, immerhin haben jetzt auch REAL, NETTO und LIDL den Ernst der Lage erkannt.

Mittwoch, 9. Oktober, 9.00 Uhr:
EDEKA setzt Krippenfiguren ins Gemüse.

9.12 Uhr:
LIDL kontert mit massivem Einsatz von Rauschgoldengeln im Tiefkühlregal.

12.00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei NETTO: An der Käsetheke wird mit sofortiger Wirkung ein “Frohes Fest” gewünscht. Der REAL-Markt kündigt für den Nachmittag Vergeltungsmassnahmen an.

Donnerstag, 10. Oktober, 7.00 Uhr:
KARSTADT schaufelt Kunstschnee in die Schaufenster.

8.00 Uhr:
In einer eilig einberufenen Krisenversammlung fordert der aufgebrachte NORMA-Geschäftsführer Walter T. von seinen Mitarbeitern lautstark “Weihnachten bis zum Äußersten!” und verfügt den pausenlosen Einsatz der von der Konkurrenz gefürchteten CD “Weihnachten mit Mireille Matthieu” über Deckenlautsprecher. Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.

Freitag, 11. Oktober, 8.00 Uhr:
Anwohner in der Eiserfelder Strasse versuchen mit einer einstweiligen Verfügung, die nun auch vom REAL-Markt angedrohte Musik-Offensive “Heiligabend mit den Flippers” zu stoppen.

9.14 Uhr:
Ein ALDI-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen rammt den Posaunenchor Adveniat, der gerade vor KARSTADT zum grossen Weihnachtsoratorium ansetzen wollte.

9.30 Uhr:
ALDI dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern um Christbaumkugeln gehandelt.

Samstag 12. Oktober:
Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend aggressiver.

10.37 Uhr:
Auf dem Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem NETTO-Parkplatz zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos.

12.00 Uhr:
Seit gut einer halben Stunde beschießen KARSTADT, EDEKA und TSCHIBO die Fussgängerzone mit Schneekanonen. Das Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst.

14.30 Uhr:
Weite Teile der Innenstadt sind unpassierbar. Eine Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der Bergung von Eingeschlossenen - Menschen, wie Du und ich, die nur mal in der schönen Herbstsonne bummeln wollten.

Diese nette Geschichte stammt aus “Arnos Advents- und Why-nachtsbuch” von Arno Backhaus. Ich habe lediglich die Daten an den diesjährigen Kalender angepasst und die Namen einiger Handelsketten ausgetauscht.

Foto © : Ruth Rudolph / PIXELIO

Dienstag, 12. November 2013

Udo Michaelis & Stephan Schipper live im Siegerland

Ich freue mich auf den Abend. Das macht bestimmt Spaß, zusammen mit Stephan die Bühne zu rocken. Wer von Euch aus die Siegerland kommt oder eine Fahrt dort hin nicht scheut, es lohnt sich bestimmt. Hier der Text, wie er auf der Seite des Veranstalters aufgeführt ist und auch in etwa in den Zeitungen stehen wird:

Ein Live-Event der besonderen Art kann man am Dienstag, dem 19. November in der Bibliothek Neunkirchen erleben. Udo Michaelis verknüpft als Autor, Musiker und Comedian diese drei Bereiche gekonnt und schafft so eine unverwechselbare Mischung aus sarkastischem Humor, Nachdenklichem und Wortwitz. Er erzählt im Stile eines Stand-Up-Comedian von „Vollpfosten“ oder „geistigen Tieffliegern“ und behandelt die Peinlichkeiten und Unwägbarkeiten des Alltags. Dabei hat er Anregungen durch das "richtige" Leben dankbar aufgenommen. Für den musikalischen Part hat er neben seinen eigenen Songs auch Stücke von Ulrich Roski und den Wise Guys neu arrangiert. Ergänzt wird das Programm mit gelesenen Texten aus seinem Buch „Best of Glück und Erfolg“.

Udo Michaelis zielt durchaus oberhalb der Gürtellinie, doch deshalb ist sein Humor noch lange nicht immer politisch korrekt. Inmitten einer absurd-komischen Grundstimmung findet der Zuhörer ab und zu Oasen zum Nachdenken, die aber nie durch verbissene Ernsthaftigkeit geprägt sind. Und immer wieder taucht Unerwartetes und Überraschendes auf.

Als Special-Guest tritt an diesem Abend Stephan Schipper auf. Der Autor, Songschreiber und Musiker unterstützt Udo Michaelis musikalisch und steuert außerdem einen Beitrag aus seinem eigenen Programm hinzu.

Los geht es um 19:30 Uhr, der Eintritt beträgt 2,50 Euro.

Donnerstag, 7. November 2013

Elevator Pitch

Du hast 30 Sekunden … und das Ding ist durch! Entweder ist es Dir gelungen, Deinen potentiellen Interessenten in dieser kurzen Zeit heiß zu machen, oder Du hast es versaut.

AufzugDer Begriff “Elevator Pitch” entstand in den 80er Jahren, als junge karriereorientierte Vertriebler die Dauer einer Aufzugsfahrt nutzten, um ihre Vorgesetzten von ihren Anliegen zu überzeugen. Ich definiere den “Elevator Pitch” als eine kurze, sorgfältig geplante und gut präsentierte Beschreibung der beruflichen Tätigkeit oder eines anderen Anliegens gegenüber einem Entscheidungsträger. Er darf nur so lang sein, wie ein Aufzug in den siebten Stock braucht - also 30-90 Sekunden. Es geht nicht darum, die Geschäftsidee zu beschreiben, sondern möglichst anschaulich aufzuzeigen, welches Problem des anderen gelöst würde oder welche Vorteile er davon hätte. Der Elevator Pitch ist rasend schnell und total eindrucksvoll. Er gilt sozusagen als Ferrari unter den Präsentationsformen.

Wenn Du so etwas sagst wie “ich leite Seminare mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung” oder “ich bin IT-Berater, mein Spezialgebiet sind individuelle Serverlösungen”, dann mag das sachlich richtig sein, aber es haut niemanden vom Hocker. So verspielst Du höchstwahrscheinlich die Chance, Deinen Gesprächspartner für Deine Dienstleistung zu interessieren.

Besser ist es, das Anliegen auf eine Weise zu unterbreiten, die begeisterndes Interesse weckt und es dabei so zu formulieren, dass es sogar Deine Oma verstehen würde - oder meinetwegen Dein zwölfjähriger Sohn.

Folgende Kriterien können Dir helfen, einen guten Elevator Pitch zu entwickeln:

1. Definiere Deine Zielgruppe
Welche Menschen willst Du überhaupt erreichen? Was zeichnet diese Menschen aus? Versetze Dich in ihre Lage. Was bewegt sie? Womit beschäftigen sie sich?

2. Finde einen Haken, an der Dein Zuhörer anbeißt
Überlege Dir eine originelle Frage zum Einstieg, oder eine Metapher. Eine überraschende Aussage ist ebenso geeignet. Auf alle Fälle ist es wichtig, die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu erregen.

3. Welches Problem Deines Gegenübers löst Du oder welche Vorteile bietest Du ihm
So hart es sich anhört, aber für Deine Arbeit an sich oder für Deine Methoden interessiert sich keine Sau - na ja, vielleicht ein paar Freunde, die Dir aus Höflichkeit zuhören. Aber wenn Du es bei Außenstehenden nicht hinkriegst, die Vorteile zu vermitteln, ziehst Du keinen Hering von der Roste. Du solltest klar und eindrucksvoll rüberbringen, was Dein Zuhörer davon hat, wenn er Deine Dienstleistung in Anspruch nimmt.

4. Was unterscheidet Dich von anderen Anbietern
Fang bloß nicht an, den Zuhörer mit langweiligen Aussagen wie “guter Service” oder “bestes Preis-Leistungsverhältnis” zuzusülzen. Finde den Knackpunkt, etwas, was Du anders machst als die übrigen Anbieter. Dieser Unterschied sollte Deinem potentiellen Interessenten einen realen Vorteil bringen. Bleibe dabei in Deiner Sprache immer klar und einfach (Du weiß schon … Deine Oma).

Auf der Seite von gruendungszuschuss.de habe ich ein Beispiel für einen Elevator Pitch gefunden, der zwar nicht alle aufgezeigten Punkte enthält, in einigen aber recht gut umgesetzt wurde:
“Haben Sie schon einmal versucht, neue Kunden zu gewinnen, ohne ein Wort zu sagen? Oder stellen Sie sich vor, Sie stehen auf der Insel Tuvalu im Pazifik und möchten einem Einwohner erklären, warum er ein Mitarbeiter Ihrer Firma werden soll. Schwierig, oder? Marc Twain hat erkannt: 
’Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit.’ Macht und Erfolg durch Worte? Aber sicher! Sprache verbindet, Sätze schaffen Atmosphäre, Worte überzeugen. 
Nutzen Sie diese Macht für Ihr Unternehmen? Überzeugen Sie Ihre Kunden – von mir bekommen Sie das nötige Handwerkszeug: die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Mein Job ist es, andere von Ihrem Unternehmen zu begeistern: In Prospekten, auf Ihrer Homepage, in Ihrem Katalog, in Pressetexten und wo sonst Sie es möchten. Klare Worte, die gewinnen - statt hilflosem Schweigen oder missverständlichem Kauderwelsch, um bei meinem Tuvalu-Beispiel zu bleiben.”

Ein sehr origineller Elevator Pitch stammt vom deutschen Schauspieler Götz Otto. 1997 rasierte er sich eine Glatze und bewarb sich für die Rolle eines Bösewichtes im James Bond Film “Der Morgen stirbt nie”. Er trat ins Büro der Produzentin, die gerade telefonierte. Sie unterbrach ihr Telefonat und sagte zu Götz Otto: „Sie haben 20 Sekunden!“ Er überlegte einen Moment, strich sich über die Glatze und meinte dann: „Ich bin groß, ich bin kahlköpfig, ich bin böse, ich bin deutsch. Das waren 5 Sekunden, behalten Sie den Rest.“


Foto © Dieter Schütz / PIXELIO

Montag, 4. November 2013

Das 7-Tage-Wochenende

Stell Dir vor, Du könntest als Angestellter in einem Unternehmen arbeiten, wo Dich keiner kontrollieren würde. Es wäre völlig egal, ob Du vier oder acht Stunden am Tag arbeitest, vielleicht am einem bestimmten Wochentag komplett frei nehmen würdest, wenn Du Lust hast dafür aber am Sonntag für ein paar Stunden zur Arbeit gingest. Es ist Dir völlig freigestellt, ob Du im Firmengebäude aufläufst. Du kannst meinetwegen auch von zu Hause aus arbeiten, oder Dich in ein Cafe setzen, um etwas für Dein Unternehmen zu tun. Hältst Du Dich aber in Deiner Firma auf und hast das Bedürfnis auf eine längere Pause, dann gehst Du einfach in den Firmengarten und schläfst ein paar Stunden in der Hängematte.

Die Höhe Deines Gehaltes kannst Du selbst festlegen, genau wie Deine Kollegen das auch für sich tun. Es gibt in Deiner Firma keine Personalabteilung. Wenn Du und Deine Kollegen meinen, Verstärkung für Euer Team zu benötigen, dann stellt Ihr einfach jemanden ein. Der Glückliche könnte dann ebenfalls sein Gehalt selbst bestimmen und verfügte natürlich auch über die gleichen Freiheiten wie ihr selbst.

Okay, wenn Du jetzt genug geträumt hast, dann komm jetzt wieder zurück in Deine Wirklichkeit, denn so etwas ist natürlich völlig unrealistisch. Halt, nicht so schnell - das war überhaupt kein Phantasiebild, welches ich gerade gezeichnet habe. Es gibt tatsächlich eine Firma, in der das alles genau so passiert. Dieses Unternehmen hat dabei einen unglaublichen Erfolg. Dem Geschäftsführer, der dieses fast schon anarchisch anmutende System installierte, ist es gelungen, seit seiner Übernahme der Leitung den Gewinn von 4 Millionen auf mittlerweile 220 Millionen US-Dollar zu steigern.

Anfang der Neunziger Jahre las ich das Buch “Das Semco System: Management ohne Manager” von Ricardo Semler. Schon damals war ich fasziniert von den völlig neuen Ansätzen, die das brasilianische Unternehmen Semco praktizierte. Längere Zeit habe ich mich nicht mehr mit der Firma befasst, bis ich auf einen interessanten Artikel stieß. Inzwischen hat sich Semco auf gigantische Weise weiterentwickelt und ich möchte ich Euch daher den Beitrag von www.sein.de nicht vorenthalten:

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende
Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.

Respekt als Erfolgsrezept
Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent.
Das Rezept ist einfach: Behandele deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie. Ein Unternehmen besteht aus erwachsenen gleichberechtigten Menschen, nicht aus Arbeitskräften. Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten und eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Entgegen allem, was man aktuell zu glauben scheint, machen Druck und Stress Menschen nicht produktiv, sondern ganz einfach nur kaputt. Und dabei verliert das Unternehmen letztlich genauso wie der Mensch.

Es geht Semler um ein neues Verständnis von Arbeit: Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt, im besten Fall eine geteilte Leidenschaft. Die Gesellschaft hat uns das allerdings anders beigebracht, wir sollen uns als Steinmetze, Maler und Hilfsarbeiter sehen, nicht als Kathedralen-Schöpfer. Bei Semco sind die Mitarbeiter essenzieller Teil eines Ganzen, sie sind Mit-Schöpfer, nicht bloß ein Rädchen im System. Sie haben Ideen, sie verstehen ihre Arbeit, sie wissen, was sie wert ist.

Vertrauen statt Kontrolle
Aber unsere Personalchefs glauben noch immer, dass man Angestellte kontrollieren muss, über Stechuhren, feste Arbeitszeiten, Produktivitäts-Reports und Email-Spionage. Semco hat das alles aufgegeben und die Kontrolle durch Vertrauen ersetzt - und mal im Ernst: Wer will eigentlich mit Leuten zusammenarbeiten, denen man nicht trauen kann?

Für Semler ist der Kontrollwahn der meisten Unternehmen einfach nur noch verrückt. Seine Mitarbeiter erziehen ihre Kinder und wählen Gouverneure, es sind erwachsene Menschen, die selbst am besten wissen, was sie möchten und brauchen.

Es ist völlig verrückt, diese Idee, dass die Menschen immer noch so fixiert darauf sind, wie etwas gemacht wird. Bei uns sagt keiner: ‘Du bist fünf Minuten zu spät’ oder ‘warum geht dieser Fabrikarbeiter schon wieder aufs Klo?’ [...] Wenn Du dich bei Semco im Büro umsiehst, sind da immer jede Menge leere Plätze. Die Frage ist: Wo sind diese Leute? Ich hab nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht.

Es interessiert mich in dem Sinne nicht, dass ich nicht sicherstellen möchte, dass meine Mitarbeiter zur Arbeit kommen und der Firma eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier Stunden, acht Stunden oder zwölf Stunden im Büro - sonntags kommen und Montags zu Hause bleiben. Es ist irrelevant für mich”, erklärt Semler seltsam einleuchtend.

Keine Hierarchie, dafür Teams
Semco ist etwas, dass es laut dem Menschenbild heutiger Manager eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn doch, dann dürfte es nicht funktionieren. Tut es aber. Drei Fragen hört Semler immer wieder: Macht ihr das wirklich so? Funktioniert es ganz im Ernst? Und: Was jetzt?

Die ersten zwei sind einfach zu beantworten: “Wir machen das jetzt seit 25 Jahren, so ziemlicher jeder, den es wirklich interessiert, ist hergekommen, um zu sehen, ob es wahr ist. Und unsere Zahlen sind über jeden Zweifel erhaben”, sagt Semler selbstbewusst.

Für ihn ist war das Aufbrechen der Unternehmensstruktur von Anfang an keine Traumtänzerei, sondern vielmehr die einzig mögliche Antwort auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Er hat es auf die harte Tour gelernt, wachte selbst erst auf, als er kollabierte und mit Komplett-Burnout in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das war der Punkt, an dem er beschloss, seine geistige und körperliche Gesundheit nie mehr dem Job unterzuordnen - und das auch von seinen Angestellten nicht zu verlangen. Dass der Wahnsinn ein Ende haben muss.

“Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert. Und das ist der Anreiz, sich nach etwas anderem umzusehen” - so einfach sieht Semler das.

Doch es fehlt vielen Unternehmern noch immer schwer, die Kontrolle loszulassen. Denn heutige Firmen sind nicht aufgebaut wie Orte des Schöpfens, sondern wie das Militär: mit einer hierarchischen Machtstruktur, mit Befehlsgebern und -empfängern. Semco hingegen ist in konzentrischen und durchlässigen Kreisen aufgebaut, es gibt keine Arbeitstitel, keine festen Büros. Niemand muss zur Arbeit kommen, ob von zu Hause, aus dem Dschungel oder einem Cafe an der Strandpromenade gearbeitet wird, ist den einzelnen Mitarbeitern und Teams selbst überlassen.

Diese Teams sind das Herzstück von Semco. Die Menschen arbeiten in Gruppen, die jeweils ein Produkt oder ein Zwischenprodukt selbstständig fertig stellen. Wie sie das machen, in welcher Zeit und mit welchem Geld, das ist ihre Sache. Wer zwischendurch schlafen will, geht einfach in den Firmengarten und legt sich für ein paar Stunden in die Hängematte - wer müde ist, macht ja eh nur Fehler.

Die Firma ohne Personalabteilung
Semco hat 3000 Mitarbeiter, aber keine Personalabteilung, da steht dem traditionellen Unternehmer der Angstschweiß auf der Stirn. Wer stellt diese Leute ein? Wer überprüft die Leistung?
Das machen die Angestellten alles selbst. Stellt ein Team fest, dass eine neue Person gebraucht wird, schreibt sie im Intranet der Firma ein entsprechendes Meeting aus. Das ist natürlich freiwillig: Alle können kommen, keiner muss.

“Wir wollen nicht, dass irgendwer in etwas verwickelt wird, was ihn nicht interessiert, deshalb sind alle Meetings freiwillig. Das heißt die Meetings werden bekanntgegeben und wer interessiert ist, kann und wird vorbeikommen und soll in dem Moment den Raum wieder verlassen, wenn es anfängt, ihn zu langweilen”, erklärt Semler die Meeting-Philosophie.

Leute, die mitten in einem Meeting gehen, weil es sie langweilt - das würde so manchen Vorgesetzten in den Wahnsinn treiben. Aber bei Semco sollen eben nur die Menschen eine Entscheidung treffen und tragen, die es unmittelbar angeht und interessiert.

Auf so einem Meeting könnte zum Beispiel beschlossen werden, dass neuer Mitarbeiter gebraucht wird und was er oder sie können muss. Dann wird gemeinschaftlich eine Annonce geschrieben, und sobald die Bewerbungen kommen, werden sie im Team aufgeteilt: Jeder, der möchte, nimmt einfach ein paar mit nach Hause und bringt die interessantesten dann wieder mit. Statt Vorstellungsgesprächen gibt es ein Gruppengespräch mit allen Kandidaten gleichzeitig - auch hier darf kommen, wer will.

Die einzigen Mitarbeiter, die regelmäßig formal bewertet werden, sind jene in Entscheidungs-Positionen - und zwar von allen anderen. Sollte einer dieser Manager wiederholt schlechte Bewertungen kriegen, geht er für gewöhnlich von selbst.

Gruppenzwang
Tatsächlich regeln die Teams fast alles unter sich. Macht jemand keinen guten Job, so wird das im Team diskutiert, oder ein Meeting einberufen. Wer sich ein hohes Gehalt zuteilt, erhöht damit auch die Erwartungen des Teams und den Leistungsdruck. Aber auch die Mitarbeiter haben mittlerweile ein anderes Verhältnis zur Arbeit: Wenn jemand einen Haufen Geld verdient, die ganze Woche eigentlich nur Golf spielt, aber trotzdem einen guten Job macht und seine Aufgaben erledigt - wen kümmert’s dann? Was zählt, ist das Ergebnis.

Eine Studie von CNN hat festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine sehr viel gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen. Nicht trotz, sondern wegen der Freiheiten. Für Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen.

Und es funktioniert
Semler ist sich sicher: Sein Konzept funktioniert überall. Er selbst hat es in Fabriken ebenso eingesetzt, wie in IT-Büros. Tatsächlich ist es eigentlich andersherum - es funktioniert überhaupt nur so. Unsere derzeitige Arbeitswelt mit ihren Burn-Out-Syndromen, mit Mobbing, Stress, Magengeschwüren und Depressionen funktioniert nämlich eben nicht, sie ist fortgesetzter Wahnsinn.
Es wird Zeit, dass wir eine Gesellschaft erschaffen, in der Beruf wieder mit Berufung und Leidenschaft assoziiert wird, nicht mit Sklaverei und Ausbeutung. In der Menschen wieder freie Entscheidungen treffen können und mit Respekt behandelt werden. In der Privatleben und Arbeit gleichwertig sind – auch für die Vorgesetzten. Es wird Zeit für das 7-Tage-Wochenende!


Fotos © Konstantin Gastmann / PIXELIO

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Der unglaubliche Kampfgeist einer Frau

Heather Dorniden liegt beim Finale gut im Rennen. Kurz vor Eintritt in die letzte Runde gelingt es ihr sogar, die Führung des Läuferfeldes zu übernehmen. Doch dann stürzt sie! Ihr Traum vom Sieg scheint dahin. Was danach passiert ist unglaublich …