Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Liste

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, Sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten.

Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. “Wirklich?”, hörte man flüstern, “Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!” und “Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen”, waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen, zu ihr: “Waren Sie Marks Mathe Lehrerin?” Sie nickte: “Ja”. Dann sagte er: “Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.” Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. “Wir wollen Ihnen etwas zeigen”, sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. “Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen.” Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. “Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben”, sagte Marks Mutter. “Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt.”

Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: “Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch”. Chucks Frau sagte: “Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben.” “Ich habe meine auch noch”, sagte Marilyn. “Sie ist in meinem Tagebuch.” Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. “Ich trage sie immer bei mir”, sagte Vicki und meinte dann: “Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt.”

Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist.
(Verfasser unbekannt)

Montag, 29. Juli 2013

Best of GLÜCK UND ERFOLG - Teil 3

Nach "Teil 1 - Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung" und "Teil 2 - Glauben und Spiritualität" ist nun auch der dritte Teil als Ebook erschienen.

Sechs Kapitel aus diesen dritten Teil waren bisher unveröffentlicht und wurden exklusiv für dieses Buch geschrieben. Diesmal steht der Humor im Vordergrund. Ausnahmen bilden lediglich das erste Kapitel über Souveränität und der anschließende Dreiteiler, in dem es um das Entdecken der eigenen Berufung geht. Ihr erfahrt, warum man als Musiker leichter Frauen aufreissen kann und welche Probleme ich als Mann mit meiner Ernährung habe, wenn meine Partnerin verreist ist. Der Witz eines Missionars aus Äquatorial-Guinea und Kuriositäten aus Politik, Kunst und Fußball sind ebenfalls Gegenstand dieses Buches.

Zu den Highlights gehören sicherlich die fiktiven Gespräche zwischen Helmut Kohl und Loddar Matthäus. Das besondere dabei: Sie unterhalten sich in englischer Sprache um ihre linguistischen Fähigkeiten zu trainieren. Was dabei herauskommt, schlägt dem Fass den Boden aus. Nirgendwo verwenden sie die korrekte englische Grammatik, sondern übertragen eins zu eins die deutschen sprachlichen Gepflogenheiten auf brutalste Weise. Endgültig verhunzt wird die englische Sprache durch solch groben Unfug, wie er eigentlich nie und nimmer passieren darf: Sie übersetzen Eigennamen wortwörtlich! Wer also sein mühsam erworbenes Schulenglisch mal so richtig versauen möchte, für den sind die entsprechenden Kapitel genau das Richtige!

Genau wie der zweite Teil gibt des auch dieses Ebook für 0,99 € bei neobooks, Amazon, iTunes und vielen anderen Portalen. Auch eine kostenlose Leseprobe findet Ihr dort.

Freitag, 26. Juli 2013

Das eigene Leben verändern durch umgekehrte Betrachtung

Möchtest Du in Deinem Leben etwas verändern? Bereitet es Dir Schwierigkeiten, Dich aus einem unerwünschten Zustand zu lösen und Dich einem neuen zuzuwenden? Dann hätte ich einen Vorschlag für Dich: Kehre Deine Betrachtung um!

Stell Dir mal bildhaft vor, welches Leben Du wirklich führen möchtest. Lass alle Beschränkungen weg und verzichte auf alle Argumente, warum dieses oder jenes nicht gehen könnte. Was möchtest Du beruflich machen? Wie sähe diese Beziehung im Idealfall aus? Was möchtest Du in Deinem Leben noch alles erreichen? Je konkreter, desto besser! Stell Dir ein Bild vor, in dem Du Dich rundum wohl fühlst.

Ich schlage das aus folgendem Grund vor: Normalerweise befindest Du Dich in einer Situation, die Dir nicht gefällt und bemühst Dich, diesen Zustand zu verbessern. Es ist aber gar nicht so einfach, aus etwas Schlechtem was einigermaßen Vernünftiges zu machen und aus etwas einigermaßen Vernünftiges was Hervorragendes. Du hast dabei immer die Betrachtungsweise von unten nach oben und hast auch eine dementsprechende Vorstellung, dass Du Dich mühsam “nach oben arbeiten musst”.

Jetzt verlässt Du diese Sichtweise und betrachtest Dein Bild von oben, also von der Idealposition aus. Du siehst es aus der Perspektive, wie Du es haben willst und es gut für Dich wäre. Und dann kannst Du Dir die Frage stellen, welche eine Abweichung nach unten für Dich immer noch o.K. wäre. In vielen Dingen kann man durchaus einen Kompromiss zu schließen und trotzdem ist das Gesamtbild noch gut. An irgendeinem Punkt wirst Du dann eine Grenze finden. Wenn Du diese Grenze unterschreitest, würde Dir etwas Wesentliches fehlen. Du hast Dir jetzt einen Bereich geschaffen, den Du als Deinen künftigen Lebensbereich definierst und der liegt zwischen dieser Untergrenze und Deinem Idealbild.

Wenn es Dir jetzt noch gelingt, innerhalb dieses Bildes so zu fühlen, als wenn Du es bereits als Realität erleben würdest, dann wirst Du es auch genau so erfahren. Sollte es mit dem Fühlen nicht klappen, hilft Dir vielleicht mein Beitrag “Wie und wann erfüllt sich ein Wunsch?” weiter.

Foto © : Christian Seidel / PIXELIO

Mittwoch, 24. Juli 2013

Haben negative Gefühle überhaupt einen Sinn?


Um Gefühle überhaupt wahrnehmen zu können, benötigen wir eine emotionale Spannungsdifferenz. Wenn wir ausschließlich zufrieden wären, würden wir das gar nicht wahrnehmen. Erst wenn wir auch einen anderen Zustand als den der Zufriedenheit erleben, könnten wir das richtig einordnen.
Stellt Euch vor, jemand wächst in einem Land auf, in dem die Temperatur gleich bleibend 20° Celsius beträgt - Tag und Nacht, Sommer wie Winter! Wenn derjenige nie an einen Ort käme, an dem unterschiedliche Temperaturen herrschen, hätte er keine Vorstellung davon, was "warm" bedeutet. Erst wenn er einen Temperaturwechsel erlebt, entsteht für ihn "warm" und "kalt".
Bei unseren Gefühlen ist es nicht anders. Wir erleben ein Gefühl erst durch die Veränderung der Zustände. Diese Spannungsdifferenz gibt es allerdings nicht nur durch den Wechsel zwischen einem positiven und einem negativen Gefühl, sondern auch bei unterschiedlichen positiven Emotionen, z.B. der Wechsel zwischen Zufriedenheit, Begeisterung und Genuss.
Wenn es Dir gelingt, alle eigenen seelischen Blockaden vollständig zu lösen, ist es möglich, fast nur noch zwischen den einzelnen positiven Emotionen hin und her zu jumpen – aber auch nur fast! Hundertprozentig kannst, sollst und darfst Du das gar nicht erreichen. Alle negativen Emotionen total aus Deinem Leben zu verbannen wäre fatal! Sie erfüllen den wichtigen Zweck, Dein Überleben zu sichern.
Man kann alle Gefühle in zwei Hauptgruppen unterteilen: Belohnungsgefühle und Vermeidungsgefühle. Die Belohnungsgefühle führen Dich zu etwas hin und die Vermeidungsgefühle führen Dich von etwas weg. Wenn Du die Straße überquerst und ein Auto kommt auf Dich zugerast, sorgt ein Vermeidungsgefühl dafür, Dich mit einem Sprung in Sicherheit zu bringen. Gäbe es dieses Gefühl nicht, wärst Du schon längst tot.
Aber nicht alle Vermeidungsgefühle sind gut für uns. Die meisten entstehen durch Denkfehler und falsche Beurteilungen der Situation. Wenn ich das erkenne, kann ich daran etwas ändern. Es sollte also nicht unser Ziel sein, grundsätzlich alle negativen Gefühle in positive zu verwandeln, sondern nur die unangemessenen. Davon gibt es allerdings eine ganze Menge.

Foto © : Carmen Waßer

Montag, 22. Juli 2013

Wann und wie erfüllt sich ein Wunsch?

Unsere äußere Realität ist nach dem Resonanzgesetz ein Spiegelbild dessen, was sich in unserem Inneren abspielt. Alles, worauf ich meine Aufmerksamkeit lenke, bekommt Energie, wächst und wird in unserem Leben zur Realität. Wie kommt es dann aber, dass sich trotzdem viele Wünsche und Ziele nicht erfüllen, obwohl wir sie positiv und präzise formulieren?

Nehmen wir aber mal an, Du hättest ein finanzielles Problem, bei dem Du Deine Existenz als gefährdet ansiehst und wünscht Dir daher dringend das erforderliche Geld. Da für Dich die Notwendigkeit das Geld zu bekommen sehr hoch ist, wirst Du immer ein Mangelgefühl dabei haben, das ist gar nicht zu vermeiden. Es realisiert sich aber nicht das, was Du Dir wünschst, sondern alles, worauf Du Deine Aufmerksamkeit lenkst. Du hast Deinen Focus unbewusst auf den Mangel ausgerichtet und bestellst Dir daher noch mehr Geldprobleme. Das Ergebnis ist, dass der Mangel dann in Deinem Leben widergespiegelt wird.

Wann erfüllt sich denn nun Dein Wunsch und wann nicht? Dafür gibt es eine einfache Formel: Ist die Wahrscheinlichkeit höher als die Notwendigkeit, erfüllt sich Dein Wunsch. Ist jedoch die Notwendigkeit höher als die Wahrscheinlichkeit, passiert das Gegenteil. Es gibt also grundsätzlich zwei Möglichkeiten, dieses Verhältnis zu Deinen Gunsten zu verändern: Die eine ist die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit und die andere die Reduzierung der Notwendigkeit.

In meinem Beitrag “Wie man es schafft, jedes Problem zu knacken” habe ich schon darauf hingewiesen, dass die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit äußerst mühsam ist. Aber fast alle Erfolgskonzepte bauen darauf auf. Man versucht die eigenen Schöpferkräfte zu stärken um so das Gefühl von Unfähigkeit und Machtlosigkeit zu beseitigen. Ich selbst habe es jahrelang versucht und bin regelmäßig gescheitert.

Daher mein Rat an Euch: vergesst es! Selbst wenn Du Dir das Ziel immer wieder positiv suggerierst und affirmierst, was das Zeug hält, es wir Dir nichts nützen. In dem Fall kommst Du mit dem klassischen positiven Denken nicht weiter. Auch die Methoden aus “The Secret”, „The Law of Attraction“ oder „Bestellungen an das Universum“ greifen hier nicht. Ganz im Gegenteil - der Schuss geht nach hinten los! Das alles funktioniert hervorragend bei Zielen, die keine existentielle Bedeutung haben. Daher will ich diese Methoden auch nicht kritisieren. Vieles davon ist für bestimmte Lebensbereiche gut anwendbar. Außerdem haben diese Bücher das Bewusstsein verbreitet, dass wir Schöpfer unserer eigenen Realität sind. Insofern bin ich dankbar dafür, dass es sie gibt.


Die Lösung liegt eindeutig in der Reduzierung der Notwendigkeit. Es gibt 7 Grundbedürfnisse des Menschen, die erfüllt sein müssen. Ist eines davon gefährdet, schlagen unsere Instinkte Alarm. Es hat auch keinen Zweck, gegen diese Instinkte anzukämpfen. Es ist aber eine Tatsache, dass 99 % unserer Probleme auf einem Denkfehler, bzw. einer falschen Beurteilung begründet sind. Um auf das Beispiel „Geld“ zurückzukommen: Eines der 7 Grundmotive heißt „Überlebenssicherung“. Dieses Motiv ist bereits erfüllt, wenn wir genug zu essen, zu trinken und einen warmen und sauberen Schlafplatz haben.

In Westeuropa muss niemand verhungern oder erfrieren. Aber nur darum geht es unseren Instinkten in Wirklichkeit. Habe ich einen Berg voll Schulden und weiß nicht, wie ich sie zurückzahlen kann, reagieren meine Instinkte aufgrund falscher Informationen meines Emotionalgehirnes so, als wäre mein Überleben gefährdet. Die einzige Chance besteht für mich darin, meinem Unterbewusstsein klar zu machen, dass mein Grundbedürfnis trotz der Schulden erfüllt ist. Damit habe ich die Notwendigkeit heruntergefahren und kann mir Geld mit einem positiven Gefühl wünschen. Auch das Loslassen klappt dann, was bei hochgefahrener Notwendigkeit unmöglich ist.

Fotos:
“Schau mir in die Augen Oldi ...” © : Karl-Heinz Laube / PIXELIO
“Jetzt bin ich mal dran” © : Bbroiango / PIXELIO

“Viele Münzen und Geldscheine” © : Frank Ulbricht /
PIXELIO

Freitag, 19. Juli 2013

Wie man es schafft, jedes Problem zu knacken

Problemlösungsstrategien gibt es wie Sand am Meer. Neben vielem wertlosen Blödquatsch gibt es sicherlich auch ein paar brauchbare Konzepte. Interessanterweise funktionieren die meisten nur bei kleineren Problemen und versagen bei den größeren. Die vorgeschlagenen Wege sind uns zwar auf kognitiver Ebene klar, aber irgendwie kriegen wir die Sache nicht vom Kopf ins Gefühl. Eine kritische Instanz in unserem Inneren verhindert, dass die neu gewonnenen Erkenntnisse unser Unterbewusstsein erreichen. Unser Problem ist als Gefühl gespeichert und im unserem Unterbewusstsein verankert.

Ich kenne genügend Leute, die sich Affirmationen reinziehen, bis die Birne qualmt. Aber das Problem will nicht weichen und manifestiert sich stattdessen umso schlimmer. Andere schicken ihren Wunsch nach Problemlösung als “Bestellung an das Universum”. Wenn statt des Erhofften dann noch mehr Probleme geliefert werden, verstehen sie die Welt nicht mehr. Wenn Euch die bisherigen Strategien nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben, wird es jetzt einfach mal Zeit für einen neuen Blickwinkel. In diesem Beitrag und dem folgenden mit dem Titel “Wann und wie erfüllt sich ein Wunsch?” verrate ich Euch einige verblüffende Tricks, wie man die Sache mit seinem Unterbewusstsein klar kriegt.

Für manchen von Euch ist die folgende Denkweise sicherlich etwas ungewohnt, aber ich definierte den Begriff „Problem“ mal mit einer mathematischen Gleichung:

Problem = Ziel x Notwendigkeit x Machtlosigkeit

Wenn Du jetzt einen der drei Faktoren auf Null setzt, existiert das Problem auf einmal nicht mehr. Es löst sich komplett in Luft auf. Wenn kein Ziel mehr da ist, hast Du logischerweise auch kein Problem. Ist das Ziel zwar vorhanden, aber es ist Dir nicht so wichtig, ob Du Dein Ziel erreichst oder nicht, hast Du auch kein Problem. Bist Du Dir in einem Gefühl von Fähigkeit absolut sicher, Dein Ziel zu erreichen, hast Du ebenfalls kein Problem.

Die meisten Methoden zielen darauf ab, die Machtlosigkeit zu beseitigen. Man versucht den Glauben an sich selbst und die eigenen Schöpferkräfte zu stärken. Dieser Weg kann sehr anstrengend sein. Wenn nach Teilerfolgen auf einmal harte Rückschläge kommen, ist das ziemlich entmutigend.
Es gibt einen berühmten Satz in der Bibel: “Alle Dinge sind dem möglich, der glaubt!” Dieser Aussage stimme ich voll und ganz zu. Aber wie stelle ich es an, einen solchen Glauben zu aktivieren? Wie gelange ich zu der Überzeugung, dass ich mein Ziel hundertprozentig erreiche und dabei kein Stück zweifle? Machen wir uns doch nichts vor, das ist alles andere als leicht! Bei einfachen Spielereien habe ich das auch schon hingekriegt, aber noch nie bei Dingen, die für mich wirklich wichtig waren.

Einige östliche Religionen lehren, dass es gut ist, seine Ziele runter zu fahren, nach dem Motto „akzeptiere alles was ist, sei bescheiden und habe keine Ansprüche“. Ich habe festgestellt, dass ich mich bei diesem Weg auf Dauer auch nicht wohl fühle.

Ein paar von meinen Lesern sind begeistert vom “LOL²A-Prinzip”. René Egli hat sicherlich einige sehr interessante Sachverhalte zum Thema “Realitätsgestaltung” dargelegt. Mit seiner extremen “hier-und-jetzt-Philosophie” kann ich aber ehrlich gesagt nix anfangen. Klar, es ist oft hilfreich, seine Aufmerksamkeit stärker auf den Augenblick zu lenken. Vergangenheit und Zukunft völlig zu ignorieren und sich überhaupt keine Ziele mehr zu setzen, entspricht aber nach meiner Auffassung nicht der Natur des Menschen. Wir haben die Veranlagung, uns weiter zu entwickeln, vorwärts zu kommen und sind mit einem “Neulandinstinkt” ausgestattet. Die Menschen, die solche Aspekte nicht wahrhaben wollen, sind in meinen Augen Meister im Verdrängen.

Es ist bisher komischerweise noch kaum einer auf die Idee gekommen, bei der Notwendigkeit anzusetzen. Aber gerade das funktioniert am Besten. 99 % der Probleme beruhen nämlich auf einem Denkfehler, der die Notwendigkeit auf ein unangemessenes Level hievt. Wenn ich diesen Denkfehler korrigiere und ins Gefühl bringe, macht mein Unterbewusstsein auch keinen Stress mehr.

Fotos:
“Verschlossenes Tor” © : Carmen Waßer
“Wer hat die Kokosnuss genackt?” © :
Gabi Eder / PIXELIO

Donnerstag, 18. Juli 2013

Stärke Deine Stärken (Teil 3)


EichelhäherAm nächsten Tag machte sich Adler Makani auf den Weg zu seinem Termin. Am großen Wald angekommen, suchte er nach dem vereinbarten Treffpunkt. “Dieses Baumhaus müsste es sein!”, dachte er bei sich und läutete. Zum Vorschein kam ein Eichelhäher. “Ich habe einen Termin bei Herrn Markwart!”, sagte Makani aufgeregt. “Der bin ich!”, antwortete der Eichelhäher und fuhr mit mit einem freundlichen Lächeln fort: “Schön, dass wir uns nun auch mal persönlich kennenlernen! Hier in unserem Wald sind wir übrigens alle ‘per Du’. Wenn das für dich okay ist, dann halten wir das auch so.” “Ja gerne! Ich heiße Makani!” “Herzlich Willkommen, Makani! Ich bin Magolves!”
Makani war positiv überrascht von der herzlichen Freundlichkeit des Eichelhähers. Auch die überaus positive Ausstrahlung von Magolves machte es Makani leicht, offen mit ihm über sein Anliegen zu sprechen: “Was kann man machen, wenn man nur noch frustriert ist?” “Was löst bei dir denn diesen Frust aus?” “Ach, eigentlich alles, was mit meinem Beruf zu tun hat!”, antwortete Makani ratlos.

“Nachdem ich vor drei Jahren mein Trainingsprogramm für Führungskräfte absolviert hatte, machte ich mir große Hoffnung auf eine berufliche Karriere. Ich bewarb mich bei mehreren vielversprechenden Stellen, bekam aber meistens direkt eine Absage. Bei den wenigen Vorstellungsgesprächen, zu denen ich eingeladen wurde, konnte ich nicht überzeugen. Also griff ich auf einen drittklassigen Job zurück, der total unterbezahlt war. Irgendetwas musste ich ja machen. Sehr schnell wurde es mir langweilig. Ich schmiss den Job hin und nahm eine neue Stelle an. Das wiederholte sich öfters. Nie blieb ich länger als ein Jahr in der selben Firma. Egal, was ich anfange, alle ist nur noch öde!”

Steinadler“Was macht dir in deinem Leben am meisten Spaß?”, wollte Magolves wissen. “In meinem Beruf gar nichts! So richtig gut fühle ich mich nur nach Feierabend, wenn ich frei durch die Lüfte schweben kann. Spaß habe ich auch, wenn ich meine Mannschaft trainiere, oder wir an einem Wettkampf teilnehmen.” “Du trainierst eine Mannschaft? Welche denn?” “Die C-Jugend des VFL Powerflug!” “Wow, das ist eine gute Mannschaft. Ich habe von ihr gehört!”, sagte Magolves anerkennend. “Wie lange bist du dort schon Trainer?” “Vor drei Jahren habe ich die Mannschaft übernommen und sie hat sich seitdem gut entwickelt”, erklärte Makani stolz. “Als ich anfing, waren wir Vorletzter und haben es trotzdem geschafft, zum Saisonende einen Platz im vorderen Tabellendrittel zu erreichen. Im darauffolgenden Jahr gelang uns das ebenfalls, obwohl uns einige Leistungsträger nicht mehr zur Verfügung standen, weil sie zur B-Jugend abwanderten. In diesem Jahr wurden wir sensationell Vizemeister und gehören nun in der nächsten Saison zur ersten Liga. Die Jungs sind einfach super!”

Makani lobte in der Folgezeit seine Mannschaft in den höchsten Tönen. Als er fertiggeredet hatte, äußerte Magolves einen interessanten Gedanken: “Mir ist etwas aufgefallen! Während du von dem Frust in deinem Beruf erzählt hast, hingen deine Flügel schlaff herunter. Aber sobald es um deine Mannschaft ging, richtete sich dein gesamter Körper auf, deine Flügel bekamen Kraft und deine Augen fingen an zu leuchten. Deine Begeisterung hat sich regelrecht auf mich übertragen und ich hätte dir noch stundenlang zuhören können. Könntest du dir vorstellen, auch beruflich etwas in diesem Bereich zu machen?”

“Davon hatte ich schon als Kind immer geträumt aber das ist wohl leider nicht realistisch!”, meinte Makani entmutigt. “Ich kann das wohl als Hobby ausüben, aber daraus einen Beruf machen? Dafür ist der Markt zu klein. Mein gesamter Bekanntenkreis hat mir davon abgeraten. Der Onkel meines Vaters hatte mal etwas Ähnliches versucht und ist damit kläglich gescheitert. Deshalb hat mich mein Vater immer davor gewarnt.”

“Dein Vater hat es sicher gut gemeint!”, meinte Magolves verständnisvoll. “Er wollte dich vor Schaden bewahren. Aber selbst Väter können sich irren! Auch wenn es manchmal gut ist, den Rat anderer anzunehmen, es ist nicht immer das Beste. In deinem Fall wäre es gut, wenn du auf dein Herz hören würdest.” “Und was ist, wenn es nicht klappt?”, sagte Makani unsicher. “Ob es klappt, das weißt du erst, wenn du es ausprobiert hast! Wer etwas wagt, kann möglicherweise scheitern! Wenn du nichts wagst und alles beim Alten lässt, dann verläuft auch dein Leben in Zukunft so wie bisher. ‘Erfolg’ heißt nichts anderes, als das es eine ‘Folge’ von etwas Bestimmten ist. Nur wenn du die entsprechenden Voraussetzungen schaffst, dann ‘folgt’ das gewünschte Ergebnis - es ‘er-folgt’! Du kannst dir vielleicht nicht sicher sein, ob genau das geschieht, was du dir wünscht, wenn du etwas in deinem Leben änderst. Du kannst dir aber sicher sein, dass nichts passiert, wenn du nichts änderst.”

“Ich glaube, ich hab’s kapiert!”, erkannte Makani nun selbst. “Nehmen wir an, ich hätte eine Realisierungschance von 70 Prozent, dann läge die Gefahr des Scheiterns bei 30 Prozent. Dieses Risiko hielt mich bisher davon ab, meinen Traum zu wagen. Verzichte ich aber darauf, es einzugehen, dann liegt auch meine Chance bei Null. Wenn ich es wage, dann kann ich gewinnen oder verlieren. Wage ich es aber nichts, dann kann ich überhaupt nicht gewinnen und bin immer der Verlierer.” “That’s it!”, stimmte Magolves ihm zu. “Vor diesem Punkt stand ich auch mal!” “Vor welchem Punkt?”, wollte Makani wissen. “Geht es um deinen Beruf als Coach?” “Nein! Ich habe vor einigen Jahren meinen Traum realisiert und bin nun zusätzlich Coach, weil ich anderen helfen möchte, das gleiche zu tun!” “Und was war dein Traum?”

“Schon seit meiner Kindheit träumte ich davon, als Comedian aufzutreten. Ich entdeckte schon sehr früh meine Fähigkeit, die Stimmen anderer Tiere zu imitieren und hatte Spaß an Satire. Wie es in meiner Familie gang und gäbe war, übte ich zunächst einen Beruf im Sicherheitsbereich aus. Aber so sehr ich mich auch bemühte, ich konnte meinen Job nie so gut ausfüllen wie mein Vater. Er war in unserem heimatlichen Wald ein wahrer Held und hatte vielen Tieren das Leben gerettet. Ich erinnere mich noch gut an eine verheerende Feuersbrunst, die große Teile unseres Waldes komplett vernichtete. Als Kind musste ich damals miterleben, wie Bäume vollständig in Flammen aufgingen. Ich war total erschrocken, als ich aus der Ferne einen großen Knall hörte, als würde irgendetwas auseinander bersten. Mein Vater hatte einen siebten Sinn für entstehende Gefahrensituationen und schlug rechtzeitig Alarm. Alle Tiere konnten rechtzeitig entfleuchen und haben auf diese Weise überlebt. Ich hatte großen Respekt vor meinem Vater und seinen Leistungen, aber ich konnte in dieser Hinsicht nicht einmal annähernd mit ihm mithalten. Erst viel später erkannte ich meine wahren Begabungen und bin inzwischen damit äußerst erfolgreich. Ich liebe es, andere zum Lachen zu bringen und sie mit meiner Satire aus ihren gewohnten Denkschemen herauszuholen. Eines Tages waren bei einem meiner Auftritte einige Katzen unter den Zuschauern. Wer die Branche kennt, der weiss nur zu gut, dass Katzen äußerst anspruchsvolle Wesen sind und sie sofort abhauen würden, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Aber sie blieben bis zum Schluss und gaben mir sogar ‘Standing Ovations’. Da war mir klar: Ich hatte es geschafft!” Makani zeigte sich beeindruckt von Magolves Geschichte: “Deine Erlebnisse machen mir Mut, es auch anzupacken.” Makani setzte in der Folgezeit sein Vorhaben um und lebte seine Berufung.

Wie ein Adler im WindSoweit die Geschichte! Was mit Makanis Kollegen passiert ist, weiß ich nicht. Haben Eichhörnchen und Ente irgendwann den Dreh gekriegt, oder lebten sie auch weiterhin ihr langweiliges Leben? Wurde der Hase wieder gesund? Ist Qualle noch etwas anderes eingefallen, als bloß rumzuschleimen? Ich habe keine Ahnung! Denkt Euch doch einfach Eure eigene Geschichte aus und gestaltet sie so, wie Ihr möchtet. Aber vor allem: Gestaltet Eure eigene Geschichte - erkennt Eure Berufung und lebt Euren Traum!

Fotos:
“Heimische Vögel 16” © : Dieter Haugk / PIXELIO

Steinadler” © : Axel Heuting / PIXELIO
“QWie ein Adler im Wind ...
” © : Joujou / PIXELIO

Mittwoch, 17. Juli 2013

Stärke Deine Stärken (Teil 2)

Drei Jahre später organisierten die ehemaligen Absolventen des Trainingsprogramms ein Klassentreffen. Es fand in dem Pavillon statt, der in der Nähe des damaligen Übungsgelände lag. Schon während ihrer Ausbildungszeit trafen sie sich dort öfters, um sich über ihre Lernfortschritte auszutauschen oder auch einfach mal ein Schwätzchen zu halten.

Wasser ist noch kalt“Was ist eigentlich mit Lampe? Kommt der noch?”, wollte die Ente Roberta wissen. Nun war schon über eine halbe Stunde vergangen und der Hase war immer noch nicht eingetroffen. “Oh sorry, ich vergaß völlig euch zu sagen, dass sie Lampe nicht raus lassen!”, informierte das Eichhörnchen Jack die anderen. “Letzte Woche hab ich ihn in der Klinik besucht. Es geht ihm gar nicht gut!” Jack runzelte seine Stirn. “Wie konnte es überhaupt so weit kommen?”, fragte Roberta mit leiser Stimme und hatte dabei einen traurigen Gesichtsausdruck.

Jack beugte sich ein wenig nach vorn: “Lampe hatte ja bereits während unserer Ausbildung immer einen depressiven Touch. Als er dann in der praktischen Prüfung im Schwimmen eine Fünf und beim Fliegen sogar eine Sechs bekam, gingen bei ihm die Lichter aus. Er fühlte sich als totaler Versager und sah alles nur noch negativ. Das wurde mit der Zeit immer schlimmer. Als ich ihn besuchte, saß er im Garten der Klinik zwischen zwei Bäumen auf dem Moos. Er starrte mich nur apathisch an und brummte irgendwas vor sich hin, wie ‘Bringt doch alles nichts!’ Dann fing er auf einmal an zu graben. Auf meine Frage, warum er das machen würde, meinte er nur, er suche nach dem Kristall - irgend so ein magischer Stein, der ihm helfen sollte, aus seiner Misere rauszukommen.”

“Das hört sich wirklich nicht gut an!”, meinte Roberta besorgt. “Ich denke, Lampe ist einfach das Opfer unserer kalten Leistungsgesellschaft geworden.” “Das sehe ich auch so!”, stimmte Jack zu. “Wir sind zwar nicht so abgedreht wie Lampe, aber dieser ganze Karrierezirkus entmutigt auch mich so langsam immer mehr. In meinem Job komme ich mir nur noch vor wie eine Nummer.” “Wenn du was erreichen willst, dann musst du eben was leisten!”, widersprach ihm die Qualle Ivan. “Dazu braucht man einen eisernen Willen, Disziplin und Teamfähigkeit.” “Das glaubst du doch wohl selbst nicht!”, unterbrach ihn Jack und schüttelte mit dem Kopf. “Ich denke eher, dass für einen guten Posten ganz andere Qualitäten erforderlich sind: Nach oben kriechen und gleichzeitig nach unten treten, ein wenig herumschleimen hilft sicher auch. Und wenn es dann immer noch nicht geklappt hat, kann man ja noch die maßgeblichen Leute bestechen.” “Was redest du für einen Müll?”, reagierte Ivan entrüstet. “Du bist ja bloß neidisch!” “Auf dich?”, rief Jack spöttisch. “Nur weil du dich hochgeschleimt hast. Du denkst wohl, du wärst hier der Schnirkelkönig, oder was?”

Fressendes Eichhörnchen“Jungs, haltet den Ball flach!”, versuchte der Adler Makani die Kontrahenten zu besänftigen. “Das bringt doch nichts, wenn ihr euch gegenseitig an die Gurgel geht. Außerdem wollte ich mir von euch nicht den netten Abend versauen lassen. Lasst uns lieber über alte Zeiten quatschen, einen trinken und Spaß haben.” “Ich trinke keinen Alkohol!”, sagte das Eichhörnchen. “Letztes Jahr bin ich zu den Mormonen konvertiert und lebe seitdem abstinent.” Ente Roberta schaute verwundert: “Du und abstinent? Früher hast du doch immer …!” Sie kam gar nicht dazu, ihren Satz zu Ende zu sprechen, weil sie von Jacks lautem Gelächter unterbrochen wurde: “Ich hab dich nur verarscht! Du hättest mal dein Gesicht sehen müssen. Hast du wirklich geglaubt, ich wäre zu den Mormonen übergetreten?” Jacks fing erneut an zu lachen und steckte die anderen damit an. Nun war das Eis gebrochen. Für den Rest des Abends hatten die früheren Ausbildungskollegen ihren Spaß.

Nur Makani wirkte zwischendurch immer wieder ziemlich ernst. Jack bemerkte seine nachdenkliche Stimmung: “Was ist los, Makani? Du machst so einen gedankenverlorenen Eindruck!” “Ach, ich grüble schon seit Wochen darüber nach, welchen Sinn das alles machen soll, jeden Tag aufzustehen, um einem Job nachzugehen, der total öde ist. Vor kurzem war ich bei einem Therapeuten, weil ich mich völlig überlastet fühlte und den Eindruck hatte, langsam aber sicher in Richtung Burnout zu steuern. Nach diesem Gespräch wurde mir klar, dass der Grund für meine mangelnde Energie nicht Überlastung ist, sondern genau das Gegenteil. In Wirklichkeit ist mir langweilig! Ich habe das Gefühl, völlig unter meinen Möglichkeiten zu bleiben und am Eigentlichen vorbeizugehen. Im tiefsten Inneren möchten ich etwas anderes leben, weiß aber nicht, wie ich das anstellen soll. Die vielen Sachzwänge halten mich davon ab, das zu tun, was ich mir wünsche.”

“Das Leben ist nun mal so!”, warf Jack ein. “Nur wenige haben das Glück, das tun zu können, was sie wollen. Uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als uns mit dem zu begnügen, was wir haben. Um überhaupt einen Job zu haben, müssen wir nun mal die Erwartungen der maßgeblichen Leute erfüllen.” Makani sah das völlig anders: “Damit gebe ich mich nicht zufrieden! Ich erwarte mehr vom Leben. Morgen habe ich einen Termin bei einem Coach, der im großen Wald lebt. Ich hoffe, dass der mir weiterhelfen kann.” Makani sah Jack an, dass dieser keine Lust hatte, weiter darauf einzugehen. Deshalb beendete er das Thema, prostete seinen Freunden zu und alle erlebten zusammen noch einen lustigen Abend.

Fotos:
“Wasser ist noch kalt” © : Ulrich Velten / PIXELIO

Fressendes Eichhörnchen” © : Marlene B. (me) / PIXELIO

Dienstag, 16. Juli 2013

Stärke Deine Stärken (Teil 1)


FersengeldEin deutscher Manager errichtete im Reich der Tiere ein Institut für die Ausbildung von Führungskräften. Er entwickelte ein Trainingskonzept, durch welches das Tier mit den besten Leistungen ermittelt werden sollte. An dem Trainingsprogramm nahmen der Adler, die Ente, der Hase, das Eichhörnchen und die Qualle teil. Die Tiere wurden intensiv geschult und auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet. Alle bekamen die gleiche Aufgabenstellungen: einen Baum hochklettern, von der Baumkrone herunterfliegen, einen Teich durchschwimmen und um den Teich laufen.

Zeig deine KrallenEs war herrlich anzusehen, wie der Adler am ersten Trainingstag majestätisch durch die Lüfte schwebte. Die anderen Disziplinen bereiteten ihm allerdings erhebliche Schwierigkeiten. Beim Lauf um den Teich verletzte er sich einen Flügel. Das führte zu einer deutlichen Beeinträchtigung beim Fliegen.

Anderen Tieren ging es ähnlich. Die Ente zerfetzte ihre Schwimmhäute beim Versuch, den Baum hochzuklettern, der Hase brach sich beim Flug von der Baumkrone seine Vorderläufe und das Eichhörnchen wäre beim Schwimmen beinahe abgesoffen. Durch ihre Blessuren waren die Tiere in ihren Spezialdisziplinen längst nicht mehr so gut wie vorher.

Nach wochenlangem hartem Training war das Programm beendet. Jetzt wurde ausgewertet und gerechnet. Wer hatte am Ende die Nase vorn? Die Tabellen vermittelten ein überraschendes Ergebnis: Klassenbester war die Qualle! Mit ihrer glitschigen, schleimigen Art erbrachte sie in allen Disziplinen halbwegs mittelmäßige Leistungen, mogelte sich durch die Prüfung und wurde so zum Sieger gekürt.

QualleDie Qualle nahm an einem weiteren Trainee-Programm teil und bekam anschließend einen Posten im mittleren Management eines bekannten deutschen Konzerns.

Die Ente bekam auf ihrem Abschlusszeugnis gerade noch eine vier im Klettern, weil sie sich immerhin bemüht hatte. Sie arbeitete weiter an ihrer Klettertechnik und bekam einen Job als stellvertretender Baumkletterer.

Ich kann posierenDas Eichhörnchen bewarb sich zwar ebenfalls um diesen Posten, entsprach aber nicht den Vorstellungen des Personalchefs. Aufgrund seiner Statur hätte es wahrscheinlich nicht das erforderliche Durchsetzungsvermögen für eine derartige Tätigkeit. Es gäbe aber noch eine freie Stelle in der Schwimmabteilung. Wenn sich das Eichhörnchen dort bewährt hätte, würde man weitersehen.

Der Hase machte sich schwere Vorwürfe. So sehr er sich auch anstrengte, er bekam die Sache mit dem Fliegen einfach nicht hin. Er fühlte sich als totaler Versager, erkrankte an einer Depression und wurde in eine geschlossene Klinik eingewiesen.

Der Adler hatte nach einigen erfolglosen Versuchen die Schnauze voll von der deutschen Karieremaschinerie. Jetzt hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, mal als Läufer, mal als Schwimmer. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, hat er wenigstens noch Zeit für sein Hobby. Den ganzen Tag wartet er darauf, dass es endlich 17 Uhr wird. Dann kann er endlich das machen, wofür sein Herz schlägt. Er trainiert die C-Jugend des VFL Powerflug. Mit Leidenschaft und Hingabe gibt er seine Erfahrungen an die Kids weiter. Letztes Wochenende haben “seine Jungs” ein sensationelles Unentschieden gegen den Tabellenführer erzielt - und das sogar auswärts. Innerhalb von nur acht Monaten hat er die Mannschaft vom vorletzten Platz auf eine Position im oberen Tabellendrittel geführt. Schade, dass er nie auf die Idee gekommen ist, sich als Fluglehrer selbstständig zu machen. Er wäre sicherlich mit seiner genialen, selbst entwickelten Trainingsmethode auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und erfolgreich geworden. Durch seine begeisternde und mitreißende Art, hätte er dem Nachwuchs für professionellen Flugsport zu einem wahren Segen werden können.

Was wäre, wenn Ente, Hase und Eichhörnchen nach einem Weg gesucht hätten, um ihre Gaben voll zu entfalten? Sie würden ihre Berufung leben und wären eine Bereicherung für andere.
Der Hase ist durchgeknallt, weil er seinen Focus ständig auf seinen Mangel gelenkt hat. Mit der Zeit erschienen ihm seine Defizite so übermächtig, dass er sein gesamtes Leben nur noch negativ bewertet hat. Die anderen leben in ihrer stumpfen Mittelmäßigkeit, gehen widerwillig einer Arbeit nach, die sie ankotzt und haben ihre Vision begraben. Die Chance für ein erfülltes Leben haben sie nicht ergriffen.

Zum Glück handelt es sich hier nur eine erfundene Tiergeschichte und hat nichts mit Dir und Deinem Leben zu tun - oder?

Nun habe ich für Euch ein Videos. Dr. Eckart von Hirschhausen seine geniale Pinguin-Geschichte. Er hat völlig recht, wenn er sagt: “Stärken zu stärken ist so viel sinnvoller, als an seinen Schwächen herumzudoktern.” Auch eine andere Behauptung hat etwas für sich: “Wenn man als Pinguin geboren wurde, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus Dir in diesem Leben keine Giraffe.”


Fotos:
“Fersengeld” © : Paul Adam / PIXELIO

Zeig deine Krallen” © : Templermeister / PIXELIO
“Qualle
” © : Franz / PIXELIO
“Ich kann posieren” © : Peter Bohot / PIXELIO
“Echter Feldhase”
© : Kurt F. Domnik / PIXELIO

Montag, 15. Juli 2013

Souveränität - oder was wir von Sattelstörchen lernen können

Druck, Stress, Hektik und das Bemühen um die besten Plätze im täglichen Kampf um Erfolg und Anerkennung - kennt Ihr so etwas? Wie sieht eigentlich ein Leben voller Gelassenheit und Souveränität aus? Im Juni 2008 ist mir eine Antwort bei einem Ausflug zum Vogelpark Heiligenkirchen “zugeflogen”.

Tom Luca mit zwei Aras
Dort gibt es eine schöne Parkanlage, wo über 300 Tierarten aus aller Welt in großen Volieren und Freigehegen leben. Der Name lässt schon darauf schließen, dass es sich hier überwiegend um Vögel handelt. Wir sahen aber auch andere Tiere wie Präriehunde, Kängurus und Affen. Letztere zogen meinen Sohn Tom Luca magisch an. Diese Totenkopf- und Weißbüscheläffchen waren aber auch sehr putzig.

Um 15 Uhr gab es eine Führung inklusive Fütterung. Katja Mikus, die Biologin des Vogelparks, erzählte sehr informativ und liebevoll über das Verhalten der Tiere. Die Kinder hatten einen Riesenspaß. Sie durften nämlich alle beim Füttern helfen. Einige Vögel bekamen Körner, andere Brot, wieder andere Hühnchen. Das Füttern mit lebendigen Mehlwürmern war Tom Luca nicht ganz geheuer. Lauter Gekrieche auf der eigenen Hand - das sollten lieber die anderen Kinder machen.

Graupapagei
“Nah ran gehen - nicht aus der zweiten Reihe werfen”, hörte man Frau Mikus rufen. Verständlich, denn wer möchte schon einen Satz kriechender Mehlwürmer in seinen Kragen bekommen. Das Highlight für die Kinder und einige Erwachsene sollte aber noch kommen. Nach der Fütterung gingen wir zur Streichelwiese für Papageien. Die Vögel setzen sich auf die Schulter, fraßen aus der Hand und ließen sich problemlos streicheln.

So etwas sollte man aber nur in dem dafür vorgesehenen Bereich tun. Kurz hinter dem Eingangsbereich sitzt der Papagei Max. Der lässt sich nicht anfassen. Wenn man es trotzdem versucht, könnte es sein, dass er beißt. Ich habe beobachtet, wie er mit seinem starken Schnabel ganz locker eine harte Nuss geknackt hat. Es könnte also ziemlich unangenehm werden, wenn Max zuhackt.

Obwohl das Erlebnis mit den Papageien etwas Besonderes hatte, ist etwas anderes der Hauptgrund für meinen Bericht. Dazu müssen wir noch einmal zurück zur letzten Station der Fütterung. In einem Gehege mit ausschließlich afrikanischen Vögeln warteten Kormorane, Ibisse, Kraniche, Pfeifenten und Marabus auf ihre Fischration. Während Frau Mikus uns einige Erläuterungen gab, versuchte ein gieriger Pelikan, schon vorher den Fisch zu klauen. Hin und wieder bekam er von Frau Mikus einen Klaps auf seinen weit aufgerissenen Schnabel. So richtig half das aber nicht, denn er drängelte sich immer wieder vor. Dann wurden die Fische durch die Luft geworfen, und es entbrannte ein hektischer Kampf um die Futterstücke. Alle Vögel waren in heller Aufregung - mit einer Ausnahme:

Sattelstorch im Afrikagehege
Zwei Sattelstörche standen ganz cool in der zweiten Reihe und ließen sich nicht von den umher rennenden Tieren aus der Ruhe bringen. Mit enormer Sicherheit und meisterlichem Geschick fingen sie die Fische direkt aus der Luft, während die anderen sich mit dem begnügten, was in den Sand fiel. Wenn sie mal ausnahmsweise einen Fisch vom Boden aufhoben, fraßen sie ihn nicht sofort. Sie gingen einige Meter zurück zu einem Teich und wuschen den Fisch im Wasser. Die anderen Vögel verschlangen ihr sandiges Futter auf der Stelle, denn es galt ja, keine Zeit zu verlieren. Man könnte sonst den nächsten Fisch verpassen.

Sattelstörche im Afrikagehege
Auch durch ihre Größe waren sie den anderen Vögeln überlegen. Ein Sattelstorch kann bis zu 1,30 Meter lang werden mit einer Flügelspannweite von 2,50 Meter. Außer des Klapperns am Nest ist er ein stiller Vogel, allerdings ziemlich eitel. Der Schnabel ist schwarz-rot-gelb gefärbt. Man hätte ihn auch gut als Maskottchen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nehmen können. Diese Idee hatten gleich mehrere Leute, weil am selben Tag noch das EM-Endspiel gegen Spanien stattfand.

Die darauf folgenden Tage hatte ich noch oft über das Erlebte nachgedacht. Das hektische Treiben der Vögel erinnerte mich stark an Situationen, wo eine “Fütterung” für uns Menschen stattfindet. Der Unterschied ist nur, dass keine Fische verteilt werden. Es geht um andere Dinge, die uns aber genauso wichtig sind, wie Fisch für die Vögel. Wir kämpfen darum, eine gute Ausgangsposition zu erhaschen und versuchen manchmal, uns auf Kosten anderer Menschen vorzudrängeln. Wenn dann das Geld anderer Leute, Anerkennung, gute Arbeitsplätze, lukrative Aufträge oder menschliche Zuwendungen “durch die Luft geworfen werden”, versuchen wir in hektischer Art und Weise, zu kriegen, was irgendwie geht. Und wenn es auf den Boden fällt und dabei sandig wird - egal, besser als gar nichts.

Die “Sattelstörche” unter uns haben solch ein Verhalten nicht nötig. Sie sind sich ihrer Stärke bewusst und nehmen sich einfach das, was sie brauchen. Hektisches Verhalten ist ihnen fremd. Sie brauchen sich nicht mit den anderen um die Brocken zu schlagen. Sie nutzen die Gunst der Stunde und fangen das auf, was das Leben ihnen zuwirft. Wenn doch mal was “in den Sand gesetzt wurde”, dann wird es halt “bereinigt” und man kann es anschließend wieder genießen.

Egozentrisches Verhalten voller Gier und ständiger Angst, zu kurz zu kommen, bringt uns nicht weiter. Menschen mit Vertrauen und Souveränität sind das Licht dieser Welt. Werden wir wie die Sattelstörche!

Fotos 1-2: © : Udo Michaelis 
Fotos 3-5: © : Vogelpark Heiligenkirchen