Dienstag, 22. Dezember 2015

Rechthaberei

Hin und wieder diskutiere ich mit rechthaberischen Menschen. Diese Leute stellen ihren eigenen Standpunkt oft als absolut dar. Wenn man aber davon überzeugt ist, dass man sich selbst keinesfalls irrt, dann kann man auch nicht von Andersdenkenden lernen. Robert Betz hat in einem seiner Seminare einen interessanten Satz gesagt: „Der Rechtbehalter ist nicht an der Wahrheit interessiert. Er hat eher Angst vor der Wahrheit, die sein bisheriges Gedankengebäude, sein Weltbild und sein Selbstbild ins Schwanken bringen könnte.“

Schon in der Bibel steht, dass unsere Erkenntnis "Stückwerk" ist. Kein Mensch kann von sich behaupten, dass er die gesamte Wahrheit kennt und über sämtliche Geheimnisse des Universums Bescheid weiß. Wie Paulus sehr richtig schreibt, erkennen wir eben alle nur "ein Stück". Mag sein, dass das Stück des einen ein wenig größer ist als das des anderen. Aber es ist nie so groß, dass man es als absolut bezeichnen könnte.

Wenn ich im Gespräch mit einem anderen Menschen entdecke, dass meine Erkenntnis mit der des Gesprächspartners eine Schnittmenge bildet, dann empfinde ich Verbundenheit und Bestätigung. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Gut ist aber auch, wenn ich durch Gespräche lerne und diese zu meiner Weiterentwicklung beitragen. Lernen kann ich nun, wenn ich einen Einblick in den Teil der Erkenntnis des anderen bekomme, der mir bisher verborgen war. Rechthaberei aber verhindert dieses Lernen. Fred Kofman hat dazu eine sehr hilfreiche Regel aufgestellt: "Der aufrichtige Wunsch, den anderen zu verstehen, seine Welt zu entdecken und in diese Einlass zu finden, entsteht aus Werten wie Demut und Respekt. Die Fähigkeit, aufmerksam zu sein, ist umgekehrt proportional zur Notwendigkeit, Recht zu haben. Je mehr wir bemüht sind, zu beweisen, dass wir Recht haben, desto weniger Energie bleibt uns, um herauszufinden, was die anderen beizutragen haben."

Foto © : Paul-Georg Meister / PIXELIO
Kommentar veröffentlichen