Dienstag, 15. Oktober 2013

Welpen zu verkaufen


Ein Ladenbesitzer heftete ein Schild über seine Türe an, auf dem stand „Welpen zu verkaufen““. Schilder wie dieses haben eine große Anziehungskraft auf kleine Kinder, und tatsächlich erschien ein kleiner Junge unter dem Schild des Ladenbesitzers. „Für wie viel verkaufen sie die Welpen?“, fragte er. Der Ladenbesitzer antwortete: „Alle zwischen dreißig und fünfzig Dollar.“ Der kleine Junge antwortete: „Ich habe zwei Dollar, 37 Cents“, sagte er. „Kann ich sie mir bitte ansehen?“

Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff, und aus der Hundehütte kam Lady, die den Gang vor dem Laden hinunterlief, gefolgt von fünf winzigen kleinen Fellbällen. Ein Welpe blieb weit hinter den anderen zurück. Sofort griff der kleine Junge den zurückbleibenden, hinkenden Welpen heraus und sagte: „Was ist mit diesem kleinen Hund los?“ Der Ladenbesitzer erklärte, der Tierarzt habe den Welpen untersucht und entdeckt, dass er keine Hüftgelenkpfanne hatte. Er würde immer hinken. Er würde für immer gelähmt sein. Der kleine Junge wurde aufgeregt: „Das ist der kleine Welpe, den ich kaufen möchte.“ Der Ladenbesitzer sagte: „Nein, du willst diesen kleinen Hund nicht kaufen. Wenn du ihn wirklich willst, werde ich ihn dir schenken.“

SnoopyDer kleine Junge geriet ziemlich außer sich. Er sah direkt in die Augen des Ladenbesitzers, zeigte mit dem Finger auf den Hund und sagte: „Ich will nicht, dass Sie ihn mir schenken. Dieser kleine Hund ist genauso viel wert wie alle anderen Hunde, und ich bezahle den vollen Preis. Das heißt, ich werde Ihnen jetzt zwei Dollar, 37 Cents geben und fünfzig Cents jeden Monat, bis ich ihn bezahlt habe.“ Der Ladenbesitzer entgegnete: „Du willst diesen kleinen Hund gar nicht kaufen. Er wird nie laufen und springen und mit dir spielen können wie die anderen Welpen.“

Als Antwort bückte sich der kleine Junge rollte sein Hosenbein auf, um ein stark verdrehtes, verkrüppeltes linkes Bein zu enthüllen, das durch eine große Metallschiene gestützt wurde. Er sah zu dem Ladenbesitzer auf und erwiderte weich: „Nun, ich laufe selbst nicht so gut, und der kleine Welpe wird jemanden brauchen, der ihn versteht.”

Mit dieser netten Geschichte von Dan Clark beende ich die Trilogie aus dem Buch “Hühnersuppe für die Seele”. Übrigens - der Welpe auf den Fotos ist unser Mitbewohner “Snoopy”. Auf dem ersten Foto ist er zwei Monate und auf dem zweiten dreieinhalb Monate alt. Der ist doch wohl knuffig, oder?

Freitag, 11. Oktober 2013

Eine einfache Geste

"Jeder kann großartig sein ... weil jeder dienen kann. Du musst kein Hochschuldiplom haben, um dienen zu können. Dein Subjekt muss nicht mit dem Verb übereinstimmen, damit du dienen kannst. Du brauchst nur ein Herz voller Güte. Eine Seele, die aus Liebe geschaffen ist."
(Martin Luther King jr.)


Mark ging eines Tages von der Schule nach Hause, als er bemerkte, wie der Junge vor ihm stolperte und alle Bücher, die er trug, und dazu einige Pullover, einen Baseballschläger, einen Handschuh und einen kleinen Kassettenrekorder fallen ließ. Mark kniete sich hin und half dem Jungen, die verstreuten Gegenstände aufzuheben. Da sie denselben Weg hatten, half er einen Teil der Last zu tragen. Als sie gingen, erfuhr Mark, dass der Name des Jungen Bill war, dass er Videospiele mochte, Baseball und Geschichten, dass er viele Probleme mit seinen anderen Fächern hatte und dass er sich gerade von seiner Freundin getrennt hatte.

ernstes BrudergesprächSie kamen zuerst zu Bills Haus, und Mark wurde auf eine Cola eingeladen und zum Fernsehen. Der Nachmittag verging angenehm mit viel Lachen und ein wenig Unterhaltung. Dann ging Mark nach Hause. Sie fuhren fort, einander in der Schule zu treffen, aßen miteinander ein- oder zweimal zu Mittag, dann schlossen sie beide ihre Mittelschulbildung ab. Sie landeten in derselben High-School, wo sie über die Jahre hindurch kurze Kontakte hatten. Schließlich kam das langersehnte Abschlussjahr, und drei Wochen vor dem Abschluss bat Bill um ein Gespräch mit Mark.

Bill erinnerte ihn an den Tag vor Jahren, als sie einander kennengelernt hatten. “Hast du dich je gefragt, warum ich an dem Tag so viele Sachen nach Hause getragen habe?”, fragte Bill. “Weißt du, ich habe meinen Spind ausgeräumt, weil ich keine Unordnung für irgendjemanden hinterlassen wollte. Ich habe ein paar von den Schlaftabletten meiner Mutter beiseite gelegt, und ich ging nach Hause, um Selbstmord zu begehen. Aber nachdem wir einige Zeit mit Reden und Lachen zusammen verbracht hatten, wurde mit klar, wenn ich mich umgebracht hätte, wäre mir diese Zeit entgangen und viele andere, die folgen könnten. Nun weißt du es, Mark! Als du an dem Tag meine Bücher aufgehoben hast, hast du viel mehr getan. Du hast mir das Leben gerettet.”

John W. Schlatterer (aus dem Buch “Hühnersuppe für die Seele”)

Foto © Dieter Kreikemeier / PIXELIO

Montag, 7. Oktober 2013

Die Berührung durch des Meisters Hand


SymphonieSie war ramponiert und zerkratzt, und der Auktionator fand es kaum der Mühe wert, viel Zeit mit der alten Violine zu verschwenden. Aber er hielt sie hoch mit einem Lächeln. “Was wird geboten, gute Leute?”, schrie er. “Wer fängt an zu bieten? Ein Dollar, ein Dollar!” Dann zwei! Nur zwei?

“Zwei Dollar, und wer bietet drei? Drei Dollar zum ersten, drei Dollar zum zweiten; drei Dollar zum dritten …” Aber nein! Aus dem Raum, weit hinten, kam ein grauhaariger Mann nach vorn und nahm den Bogen auf. Dann, indem er den Staub von der alten Violine wischte und die Saiten spannte, spielte er eine Melodie, rein und süß, wie ein Engel singt.

Die Musik verstummte, und der Auktionator sagte mit einer Stimme, die ruhig und leise war: “Was wird mir geboten für die alte Violine?” Und er hielt sie hoch mit dem Bogen. “Eintausend Dollar, und wer bietet zwei? Zweitausend! Und wer bietet drei? Dreitausend zum ersten, dreitausend zum zweiten; und zum dritten!”, sagte er. Die Leute jubelten, aber einige riefen: “Wir verstehen nicht ganz! Was hat ihren Wert erhöht?” Schnell kam die Antwort: “Die Berührung durch eines Meisters Hand.”

Und mancher Mann, dessen Leben außer Takt ist und ramponiert und zerkratzt vor Sünde, wird billig verkauft an die gedankenlose Menge, gerade wie eine alte Violine.

Ein Teller “Dicke Suppe”, ein Glas Wein; ein Spiel - und er reist weiter. Er geht “zum ersten” und geht “zum zweiten”. Er geht weg und ist fast gegangen. Aber der Meister kommt, und die törichte Menge kann nie ganz verstehen - den Wert einer Seele und die Erhöhung, die sie erlangt, bei der Behandlung durch des Meisters Hand.

Myra B. Welch (aus dem Buch “Hühnersuppe für die Seele”)

Foto © berlin-pics / PIXELIO

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Die Löwengeschichte


LöweEs war einmal ein Löwe, der in einer Wüste lebte, die ständig vom Wind durchweht war. Deshalb war das Wasser in den Wasserlöchern, aus denen er normalerweise trank, niemals ruhig und glatt; der Wind kräuselte die Oberfläche, und nichts spiegelte sich im Wasser. Eines Tages wanderte der Löwe in einen Wald, wo er jagte und spielte, bis er sich ziemlich müde und durstig fühlte.

Auf der Suche nach Wasser kam er zu einem Teich mit dem kühlsten (verlockendsten und angenehmsten) Wasser, das man sich überhaupt vorstellen kann. Löwen können – wie andere wilde Tiere auch – Wasser riechen, und der Geruch dieses Wassers war für ihn wie Ambrosia. Der Löwe näherte sich dem Teich und streckte seinen Schädel übers Wasser, um zu trinken. Plötzlich sah er jedoch sein eigenes Spiegelbild und dachte, es sei ein anderer Löwe. „Oh je“, sagte er zu sich, „das Wasser gehört wohl einem anderen Löwen, ich sollte vorsichtiger sein!“

Er zog sich zurück, aber der Durst trieb ihn wieder zum Wasser; und abermals sah er den Kopf eines furchterregenden Löwen, der ihn von der Wasseroberfläche her anstarrte. Dieses Mal hoffte unser Löwe, er könne den „anderen Löwen“ verjagen und riss sein Maul auf, um furchterregend zu brüllen. Aber als er gerade seine Zähne fletschte, riss natürlich auch der andere Löwe sein Maul auf, und der gefährliche Anblick erschreckte unseren Löwen.

Und immer wieder zog sich der Löwe zurück und näherte sich dem Teich. Und immer wieder machte er dieselbe Erfahrung. Nachdem einige Zeit vergangen war, wurde er aber so durstig und verzweifelt, dass er zu sich sagte: „Löwe hin, Löwe her, ich werde jetzt von diesem Wasser trinken.“ Und wahrlich, sobald er sein Gesicht in das Wasser taucht, war der „andere Löwe“ auch schon verschwunden.


(Shah 1978 - aus dem Buch “Die Löwen-Geschichte” von Bernhard Trenkle)


Foto © Katharina Hopp / PIXELIO

Montag, 30. September 2013

Die Geschichte von den ungleichen Zwillingen

Es waren einmal Zwillinge, die glichen sich äußerlich wie ein Ei dem anderen. Ansonsten waren aber vollkommen verschieden.

TwinsWenn es dem einen zu heiß war, war es dem anderen zu kalt. Wenn der eine sagte: “Die Musik ist zu laut”, wollte der andere die Musik noch lauter. Und der auffälligste Unterschied zwischen den beiden war der, dass der eine von ihnen zu jeder Stunde optimistisch und zuversichtlich war, während sich der andere immer schlecht gelaunt und und pessimistisch gab.

Als sie nun eines Tages Geburtstag hatten, wagte der Vater der Zwillinge ein Experiment: Er wartete am Vorabend des Geburtstages so lange, bis seine Söhne eingeschlafen waren, und machte sich dann heimlich ans Werk. Er füllte das Zimmer des Pessimisten bis unter die Decke voll mit den schönsten Geschenken: Spielzeug, Sportgeräte, technische Geräte und vieles mehr. Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Haufen Pferdeäpfel ins Zimmer – sonst nichts. Nun war er gespannt, was passieren würde.

Am nächsten Morgen schaute der Vater zuerst ins Zimmer des Pessimisten. Er fand ihn laut klagend am Boden sitzen, inmitten der ganzen wundervollen Geschenke. “Warum weinst du denn?” fragte der Vater. “Erstens, weil meine Freunde neidisch sein werden, zweitens, weil ich die ganzen Gebrauchsanleitungen lesen muss, bevor ich mit den Geschenken etwas anfangen kann, drittens, weil ich für die meisten dieser Spielsachen ständig neue Batterien brauchen werde und viertens, weil im Lauf der Zeit bestimmt ein paar von den Spielsachen kaputtgehen werden!”

Darauf ging der Vater in das Zimmer des optimistischen Zwillings. Dieser hüpfte vor Freude um die Pferdeäpfel herum. “Warum bist du denn so fröhlich?” fragte der Vater. “Ganz einfach”, antwortete dieser “weil irgendwo im Haus ein Pony sein muss!”

Gefunden auf “Zeit zu leben“. 

Foto © Franz Maringer / PIXELIO

Freitag, 27. September 2013

Vom Fischen

Ganz egal, ob Du etwas verkaufen, jemanden missionieren oder sonst von Deinem Standpunkt überzeugen möchtest - es geht dabei immer um den Versuch einer Beeinflussung. Daran ist grundsätzlich nicht verkehrt. Die Frage ist nur, welche Vorgehensweise dafür effektiv und andererseits ethisch vertretbar ist. In diesem Zusammenhang finde ich eine kleine Geschichte des Schweden Bror Jonzon sehr passend:

Beim Angeln in Lappland habe ich einige Lektionen gelernt.

Erstens: Es zählen die Fische, die man gefangen hat, und nicht diejenigen, die man erschrecken, beeindrucken oder interessieren konnte.

Zweitens: Es ist ausgeschlossen, einen Fisch zum Anbeißen zu zwingen. Er muss von sich aus kommen.

AnglerDrittens: Ruhe ist wichtig. Spricht man zuviel oder bewegt man sich unnötig, so ergreift der Fisch, der anbeißen will, die Flucht.

Viertens: Wer das Fischen nicht liebt, kann nie ein guter Fischer werden. Man muss das Warten genießen können. Gleichgültig, ob es kalt ist, ob es regnet oder ob die Mücken stechen.

Fünftens: Manche Fischer nehmen immer denselben Köder, ungeachtet der Fischart, die sie fangen wollen. Doch eine Forelle wird durch einen anderen Köder angelockt als ein Kabeljau.

Sechstens: Man muss die Angel dort werfen, wo Fische sind, und nicht erwarten, dass sie zu einem kommen. Manche Leute ziehen es vor, sich bequem am Ufer niederzulassen, statt sich auf die glitschigen Felsen zu wagen oder in die Mitte der Strömung.

Soviel vom Fischen …

Fotos © Rike / PIXELIO

Dienstag, 24. September 2013

Mein Freund Malte - Das Fettnäpfchen

Neulich unternahm ich zusammen mit Malte einen Ausflug aufs Land und besuchte eine Veranstaltung, die gemeinsam von der dörflichen Verwaltung und der dort ansässigen Kirchengemeinde organisiert wurde. Eine Dorfpersönlichkeit nach der anderen hielt eine Rede und anschließend gab es Kaffee und Kuchen. Es hätte mir kaum etwas langweiligeres passieren können, als diese Dumpfbackenparade. Wahrscheinlich wäre selbst ein Vortrag zum Thema “Das richtige Öffnen von Konservendosen und ihre Auswirkung auf die Scheidungsstatistik des Jahres 2009″ interessanter gewesen. Auch das Publikum war nicht unbedingt mein Fall - lauter Pollunderträger, Topflappenhäkler und Eierpappenaufbewahrer. Je länger ich mich im Raum umschaute, desto mehr gewann ich die Überzeugung, von lauter Kaffefahrt-Junkies umgeben zu sein.

Der beste Redner von allen war ein Missionar aus Äquatorial-Guinea. Müsste ich Schulnoten vergeben, er bekäme als einziger Sprecher eine “Vier Plus”. Unter den Blinden nunmal ist der Einäugige König. In Erinnerung ist mir allerdings nicht sein Vortrag geblieben, sondern ein Witz, den er anschließend beim gemütlichen Beisammensein zum Besten gab. Dieser ging folgendermaßen:

Ich habe Spaß ...“Ein Elefant suchte zum Wassertrinken einen Teich auf. Das letzte Mal, als er das tat, begegnete ihm ein Krokodil. Nun war dieser Elefant eine wahre Spaßkanone. Nachdem er seinen Durst gelöscht hatte, füllte er seinen Rüssel mit Wasser und verpasste damit dem Krokodil, das gerade am Ufer gemütlich in die Sonne lag, eine ungewünschte Dusche. Diesmal war es jedoch anders. Während der Elefant trank, nahm er das Krokodil überhaupt nicht wahr, weil es unbemerkt unter der Wasseroberfläche lag. Nun war die Stunde der Rache gekommen! Das Krokodil schlich sich tauchend heran, packte blitzschnell zu und biss dem Elefant den Rüssel ab. Der Elefant daraufhin mit nasaler Stimme: Thag mal - findetht du dath eigentlich luthtig?”

Der Witz war der Brüller des Tages. Malte rief mir begeistert zu: “Ey, der war der Oberhammer! Wir sind doch morgen Abend auf Kevins Party. Den muss ich dort unbedingt erzählen!” Am nächsten Abend traf ich Malte, wie verabredet, vor Kevins Wohnung. Wir gingen gemeinsam hinein. Es waren zu diesem Zeitpunkt erst etwa zehn Gäste anwesend, aber die anderen trudelten im Laufe der nächsten halben Stunde ebenfalls ein. Auf der Party gab es ein ziemlich gemischtes Publikum - einige Hardcore-Rocker, ein paar Simon & Garfunkel-Punker und sogar auch völlig normale Menschen. Kurz nach Mitternacht schlug Maltes Stunde. Erst erzählte er zwei kurze Gags zum warmwerden und dann kam der Witz, den er am Vortag vom Missionar gehört hatte.

Die Leute waren gespannt, ganz besonders eine hübsche Blondine, die uns gegenüber stand. Als Malte zu der Stelle kam, wo sich das Krokodil unbemerkt heranschlich, lächelte die Blondine und öffnete dabei leicht ihren Mund. Was Malte dann erblickte, brachte ihn völlig aus dem Konzept. Die Frau trug eine Zahnspange. Ich verstand sofort, warum Malte plötzlich so nervös wurde. Zahnspangen haben leider manchmal den ungeliebten Nebeneffekt, dass sie beim Sprechen Zischlaute mit leicht nasalem Unterton hervorrufen können. Bei der Pointe könnte die Frau vermuten, Malte wolle sie verarschen und dann er hätte bei ihr verschissen.

Zahnspangen - das ruft bei mir Erinnerungen aus meiner Kindheit hervor. Zum Glück musste ich nie eine tragen - obwohl, wenn ich mir heute meine schief gewachsenen Zähne ansehe, dann wünschte ich mir manchmal doch … nein, diesem Gedanken möchte ich jetzt lieber keinen Raum geben. Zahnspangenträger wurden damals in unseren Kreisen erbarmungslos gehänselt und gegretelt. Wir teilten sie in zwei Kategorien ein: “Innies” und “Outies”. “Innies” hatten zumindest den Vorteil, dass man ihre Zahnspange nur sehen konnte, wenn sie den Mund aufmachten. Bei den “Outies” war das anders. Sie bekamen in ihre Spange einen Bügel eingehängt, der außen um das Gesicht herumging und im Nacken einen Gummizug hatte. Das sah echt scheiße aus!

Rolf, einer unserer Nachbarjungs, war ein “Outie”. Doch ihm schien es nicht so viel auszumachen, wie vielen anderen Zahnspangenträgern - ganz im Gegenteil: Er nutzte sein “Outie-Monstrum” regelmäßig dazu, um Aufmerksamkeit zu erregen und Blödsinn damit anzustellen. Nachdem Rolf eine Weile mit seinem Zahnspangenbügel herumexperimentiert hatte, stellte er fest, dass man damit sogar Musik machen konnte. Je nachdem, wie man den Bügel bog, war es möglich, damit unterschiedliche Töne zu erzeugen - naja, “Töne” ist vielleicht übertrieben - ich würde eher sagen “Geräusche”. Einmal präsentierten wir auf unserem Schulhof den Titelsong aus dem Western “The Good, the Bad and the Ugly” - oder auf Deutsch “Zwei glorreiche Halunken”. Ich pfiff die ersten fünf Töne und Rolf antwortete auf seinem Zahnspangenbügel mit “Plöng, plöng, plöng”.

Egal, ob damals oder heute - ich dachte immer, nur Kinder oder maximal pubertierende Jugendliche würden Zahnspangen tragen. Aber die Frau auf Kevins Party war schätzungsweise Anfang Dreißig. Wieso hatte sie in diesem Alter noch eine Baustelle in ihrem Esszimmer? Hätte man das nicht regeln können, als sie noch ein Kind war?

Malte geriet ins Stocken. Noch bevor er die Pointe verraten hatte, brach er ab und sagte mit belegter Stimme: “Ach, der Witz ist eigentlich gar nicht so gut! Ich erzähle euch einen anderen: Kommt ein Mann zum Arzt …” Ein baumlanger Kerl fuhr dazwischen: “Ey, ich möchte den Witz noch zu Ende hören. Du kannst danach ja noch den anderen erzählen!” “Ach nee!”, widersprach ihm Malte, “der ist echt nicht so gut!” “Das kannst du hier aber nicht bringen, erst einen Witz anfangen und dann nicht weitermachen!” Der Typ ließ sich nicht abschütteln. Irgendwie wirkte er ziemlich furchterregend - so ein richtiger “Bier-mit-den-Zähnen-Aufmacher”.

Nilkrokodil 3“Na gut, ich erzähle weiter: Also, das Krokodil schwamm auf den Elefanten zu und … ach, der Witz ist total bescheuert! Soll ich nicht doch einen anderen erzählen?” Jetzt schaltete sich Kevin ein: “Los Malte, ist doch egal! Wir wollen jetzt alle diesen Witz hören!” Die übrigen Anwesenden unterstützten das durch ein halblautes “Ja!”, oder per Kopfnicken. Malte hatte keine Ahnung, wie er aus dieser Nummer rauskommen sollte.

Er seufzte tief: “Na, von mir aus! Das Krokodil tauchte zum Elefanten, packte blitzschnell zu und biss ihm dem Rüssel ab. Der Elefant ging daraufhin traurig weg. Dann kam ein anderer Elefant, um Wasser zu saufen. Das Krokodil war immer noch da!” Maltes Hände waren schweißnass! Er stammelte herum, um Zeit zu gewinnen. “Also, das Krokodil tauchte, schlich sich heran und biss auch dem zweiten Elefant den Rüssel ab … äh … und dann … äh … ging der Elefant auch weg. Dann kam ein kleiner Elefant … hmm … ähm … und das Krokodil biss auch ihm den Rüssel ab … dann lief der kleine Elefant zu seiner Mama. Dann kam noch ein Elefant zum Wasser und das Krokodil biss auch ihm den Rüssel ab.” Plötzlich unterbrach ihn die Blondine mit der Zahnspange. Sie verdrehte ihre Augen und sagte: “Thag mal - findetht du dath eigentlich luthtig?”


Fotos © PIXELIO
“Ich habe Spaß ...” von Michael Ottersbach
“Na dann Prost″ von Uli Carthäuser
“Mädchen mit Zahnspange” von
Andreas Bouloubassis
“Nilkrokodil 3” von Ich-und-Du

Freitag, 20. September 2013

Der Immobilienmakler

“Bernd, bringst du noch mal zwei Bier?” “Jau Marvin, geht klar!”, antwortete der Wirt seinem Stammgast. Wie fast jeden Mittwoch kam Marvin auch heute wieder hierher in die Stadtkneipe, welche etwa einen halben Kilometer entfernt von seiner Wohnung lag. Sie war klein und gemütlich rustikal. Marvin saß wie üblich am Tisch neben dem Fenster.

MaibockNachdem der Wirt die zwei Bier gebracht hatte, setzte Marvin seine Unterhaltung mit Simon fort. Die beiden waren seit ihrer Schulzeit miteinander befreundet, hatten sich aber vor einigen Jahren aus den Augen verloren. Am vorletzten Samstag begegneten sie sich zufällig wieder auf einer Party eines gemeinsamen Bekannten. “Sag mal, du hast dich auf der Party doch lange mit diesem blonden Brillenträger unterhalten!”, sagte Marvin zu seinem Kumpel. “Stimmt! Der ist Immobilienmakler und muss irgendwo ganz bei dir in der Nähe wohnen.” Simon machte eine kurze Pause und begann zu schmunzeln. “Was grinst du denn?”, wollte Marvin wissen. “Och, ich hab nur gerade an unsere Unterhaltung mit dem Typen gedacht. Florian und André waren auch mit dabei. Wir haben den Kerl ganz schön hochgenommen.” “Was habt ihr denn mit ihm angestellt?” “Am besten, ich erzähle dir die Sache von Anfang an.”

Simon trank einen Schluck aus seinem Bierglas und fuhr fort: “Als der Typ uns anquatschte, war er schon ganz schön abgefüllt. Nachdem er uns einige Zeit mit irgendeinem Blödquatsch vollgesülzt hatte, jammerte er auf einmal, er hätte einfach kein Glück bei den Frauen. Er verstände es auch nicht, warum die Mädels ausgerechnet Florian so hinterherlaufen würden. ‘Och’, sagte ich zu ihm, ‘das ist bei André und mir genauso!’ Jetzt wollte er natürlich wissen, wie wir das anstellen. ‘Wir sind Musiker!’, sagte ich zu ihm. ‘ Wenn du das richtige Instrument spielst und den richtigen Stil hast, dann kriegst du jede Frau, die du willst.’ Der Immobillienmakler hat mir das voll abgenommen und war nun heiß darauf zu erfahren, wie das funktioniert.

Florian hat ihm die passende Antwort gegeben: ‘Ich spiele Schlagzeug in einer Heavy-Metal-Band und ziehe damit massenweise rassige und leidenschaftliche Powerfrauen an. André ist Gitarrist und spielt mit seiner Combo seit einiger Zeit Folk und Westcoast-Rock. Seitdem kann er sich vor naturverbunden Frauen kaum noch retten. Meistens sind sie irgendwie alternativ drauf und haben oft auch einen spirituellen Touch.

Und die gefühlvollen und zärtlichen Frauen laufen scharenweise hinter Simon her. Er ist Bassist in einer Blues-Band. Du kannst dir als Musiker also die Frauen aussuchen, die du möchtest. Es kommt nur auf deinen Musikstil und dein Instrument an. Stehst du mehr auf konservative Frauen, die dazu noch intelligent sind, dann solltest du Violine in einem Symphonieorchester spielen. Spielt die Intelligenz wiederum keine große Rolle, die Frau soll dafür aber im Bett immer genau das tun, was du gerne möchtest, dann wäre Volksmusik das Richtige. Den ultimativen Treffer würdest du hier mit Akkordeon landen. Darauf stehen nämlich besonders die volkstümlichen Frauen. Die sind zwar nicht so schlau, aber dafür wollen sie immer und haben außerdem meistens sehr üppige Oberweiten.’ Wir haben uns köstlich amüsiert, als der Typ anfing, sich Notizen zu machen und zwischendurch mehrmals ‘Akkordeon’ murmelte.”

AkkordeonspielerSimon hatte den letzten Satz kaum ausgesprochen, da brach Marvin in schallendes Gelächter aus. “Wir hatten zwar auch unseren Spaß, aber so gegröhlt wie du haben wir auch wieder nicht!”, meinte Simon leicht verwirrt. “Sorry, aber das hat einen Grund, von dem du nichts weißt! Jetzt verstehe ich die ganze Sache erst!” “Was verstehst Du?” Simon kapierte gar nichts! “Okay, ich werd’s dir erklären: Gestern Abend machte ich einen kurzen Spaziergang. Ich schlenderte die Straßen entlang und hörte plötzlich eigenartige Klänge aus der Ferne. Ich ging weiter in die Richtung, aus der die Geräusche kamen und dann konnte ich die Melodie von ‘Lebt denn der alte Holzmichel noch?’ erkennen. Die Musik war dermaßen schlief, dass es mich regelrecht schüttelte. Als ich vor dem Haus stand, aus dem der Lärm drang, bot sich mir ein Bild des Grauens. Ich konnte es kaum fassen, was ich dort sah, aber es war die Wirklichkeit: Der Immobilienmakler spielte in der Garage Akkordeon!” 

Fotos © PIXELIO
“Maibock” von KFM
“Rockband 04″ von N. Schmitz
“Gitarre mit Hand” von Rainer Sturm

“Akkordeonspieler” von Rainer Sturm

Mittwoch, 18. September 2013

Intuition ist dem Verstand haushoch überlegen

Menschen, die ihrer Intuition Raum geben, schneiden deutlich besser abschneiden als solche, die ihre Entscheidungen nur aufgrund kognitiver Prozesse fällen. Nun schauen wir uns einmal an, warum das so ist:

Neuroinformatiker gehen davon aus, dass unser Verstand ca. 40 Informationen pro Sekunde verarbeitet, unser Unterbewusstsein dagegen ungefähr 400 Milliarden. Der Verarbeitungsprozess der Intuition in unserem Gehirn ist demnach 10 Milliarden Mal schneller, als wir bewusst wahrnehmen können. Schon bevor Du anfängst, über einen Sachverhalt nachzudenken, hat Dein Unterbewusstsein längst eine Antwort. Das Problem dabei ist nur, dass viele keinen Zugang zu diesen Antworten finden.

BabyEigentlich verfügt jeder Mensch über Intuition, aber nicht alle nutzen sie. Kleine Kinder leben einen natürlichen Umgang mit ihrer Intuition. Leider ist es meistens so, dass dies die Erwachsenen ihnen im Laufe der Zeit “abtrainieren”, anstatt ihnen zu helfen, es anzunehmen und damit umzugehen.

Ich plädiere nicht dafür, der Intuition in einseitiger Form zu huldigen und gleichzeitig unsere Ratio zu verdammen. Beides sollte Hand in Hand wirken und sich gegenseitig ergänzen. Die Frage ist nur, wie wir die Sache gewichten. Albert Einstein hatte dazu eine bemerkenswerte Erkenntnis: “Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationelle Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.”

Wenn wir lernen, unsere Intuition wahrzunehmen und mehr auf unser Bauchgefühl zu hören, sind wir bei der Entscheidungsfindung gegenüber denen haushoch überlegen, die sich nur auf ihren Verstand verlassen. 

Foto © www.pixel-pool.net

Freitag, 13. September 2013

Die Kraft der Liebe aus dem Mund eines Dreijährigen


GeschwisterWie jede gute Mutter, die erneut schwanger ist, tat Karen alles was sie konnte, um ihren dreijährigen Sohn Michael auf das neue Baby vorzubereiten. Ärztliche Untersuchungen wiesen darauf hin, dass das Baby ein Mädchen sein würde. Tag für Tag, Abend für Abend, sang Michael seinem Schwesterchen in Mamis Bauch Lieder vor. Es war eine normale Schwangerschaft - bis zur Entbindung. Und dann kamen die Komplikationen. Nach langem Ringen wurde das Baby geboren - aber es schwebte in Lebensgefahr und wurde unter Sirenengeheul in die Neugeborenenintensivstation von St. Mary’s Hospital, Knoxville, Tennessee eingeliefert. Die Kinderärzte sagten der Mutter: “Es gibt sehr wenig Hoffnung. Seien sie auf das Schlimmste gefasst!”
Karen und ihr Mann, Mitglieder der Panther Creek Methodist Church in Morristown, Tenessee, hatten schon ein besonderes Zimmer in ihrem Heim für das Baby zurecht gemacht. Und jetzt mussten sie Reservierungen für einen Platz auf dem Friedhof machen. Der kleine Michael bat dauernd darum, dass er doch seine kleine Schwester sehen könne. “Ich will ihr etwas vorsingen,” erklärte er. Doch Kindern ist der Zutritt zur Intensivstation streng verboten. Doch Karen dachte, wenn Michael jetzt sein Schwesterchen nicht sieht, sieht er es vielleicht niemals. Sie zog ihm einen übergroßen Anzug an, und gemeinsam marschierten sie in die Intensivstation. Die Stationsschwester sah sofort, dass es ein kleines Kind war und fuhr sie an: “Bringen sie sofort das Kind hier raus! Hier sind keine Kinder erlaubt!”

Die sonst eher ruhige Mutter nahm ihren ganzen Mut zusammen, schaute der Stationsschwester mit festem Blick in die Augen und erklärte fest: “Er geht hier nicht weg, bis er seiner kleinen Schwester nicht etwas vorgesungen hat!” Dann ging sie gemeinsam mit Michael zum Bettchen seiner Schwester, wo das Baby drauf und dran war, den Kampf ums Leben zu verlieren. Nach wenigen Augenblicken begann Michael mit der unschuldigen und reinen Stimme eines Dreijährigen zu singen: “Du bist mein Sonnenschein, mein einziger Sonnenschein, du machst mich froh auch wenn die Wolken grau sind …”. Das kleine Baby begann sofort zu reagieren. Der rasende Puls normalisierte sich.

“Sing weiter, Michael”, ermutigte Karen mit Tränen in den Augen. Und Michael sang: “Du weißt gar nicht, Liebes, wie sehr ich dich liebe. Bitte nehmt mir meinen Sonnenschein nicht weg.” Als Michael sang, beruhigte sich das gequälte Atmen des Kindes. Jetzt waren auch die Tränen bereits auf dem Gesicht der Stationsschwester. Am nächsten Tag war das Baby so gesund, dass es nach Hause entlassen werden konnte. Die medizinischen Mitarbeiter nannten das Ganze schlicht ein Wunder.

Quelle: FFAX, Nicole und Sergio Jimenez 

Diese Geschichte schickte mir Wolfgang Simson vor über 10 Jahren mit seinem “DAWN-Freitagsfax”. Vor einiger Zeit fiel mir das Fax beim Aufräumen wieder in die Hände. Auch jetzt berühren mich diese Zeilen noch genauso wie damals. Immer wenn ich das Lied höre, dass der kleine Michael seiner Schwester vorsang, denke ich unweigerlich an dieses fantastische Wunder.

Dieser alte Song wurde von vielen Superstars gesungen, z.B. von den Beatles, Bing Crosby, Ray Charles, Johnny Cash, Doris Day, Nat King Cole, Carly Simon, Will Smith, Michael Bolton und Bryan Ferry. Ich finde die Version von Elizabeth Mitchell besonders schön und habe sie Euch hier reingestellt. Genießt das Lied “You are my sunshine” an und denkt beim Hören daran, manchmal geschehen unfassbare Wunder!