Ich freue mich auf den Abend. Das macht bestimmt Spaß, zusammen mit Stephan die Bühne zu rocken. Wer von Euch aus die Siegerland kommt oder eine Fahrt dort hin nicht scheut, es lohnt sich bestimmt. Hier der Text, wie er auf der Seite des Veranstalters aufgeführt ist und auch in etwa in den Zeitungen stehen wird:
Ein Live-Event der besonderen Art kann man am Dienstag, dem 19. November
in der Bibliothek Neunkirchen erleben. Udo Michaelis verknüpft als
Autor, Musiker und Comedian diese drei Bereiche gekonnt und schafft so
eine unverwechselbare Mischung aus sarkastischem Humor, Nachdenklichem
und Wortwitz. Er erzählt im Stile eines Stand-Up-Comedian von
„Vollpfosten“ oder „geistigen Tieffliegern“ und behandelt die
Peinlichkeiten und Unwägbarkeiten des Alltags. Dabei hat er Anregungen
durch das "richtige" Leben dankbar aufgenommen. Für den musikalischen
Part hat er neben seinen eigenen Songs auch Stücke von Ulrich Roski und
den Wise Guys neu arrangiert. Ergänzt wird das Programm mit gelesenen
Texten aus seinem Buch „Best of Glück und Erfolg“.
Udo Michaelis zielt durchaus oberhalb der Gürtellinie, doch deshalb
ist sein Humor noch lange nicht immer politisch korrekt. Inmitten einer
absurd-komischen Grundstimmung findet der Zuhörer ab und zu Oasen zum
Nachdenken, die aber nie durch verbissene Ernsthaftigkeit geprägt sind.
Und immer wieder taucht Unerwartetes und Überraschendes auf.
Als Special-Guest tritt an diesem Abend Stephan Schipper auf. Der
Autor, Songschreiber und Musiker unterstützt Udo Michaelis musikalisch
und steuert außerdem einen Beitrag aus seinem eigenen Programm hinzu.
Los geht es um 19:30 Uhr, der Eintritt beträgt 2,50 Euro.
Ja,
ich bin Fan der Wise Guys und finde, dass sie zu recht als die beste
Vocal-Pop-Band Deutschlands bezeichnet wird. Ich war auf ihrem
Konzert in Siegen im November 2012, auf dem davor ebenfalls und auch
für das kommende im November 2013 habe ich mir schon ein Jahr im
voraus eine Karte gekauft.
Nein, das hier soll keine gewöhnliche Rezension zu den beiden
Versionen der "Zwei Welten" werden. Die könnt Ihr woanders
lesen, z.B. bei Wikipedia,
Focus,
Web.de.
Oder noch besser, Ihr schaut Euch unter wiseguys.de
an, was die Band selbst darüber geschrieben hat. Ich möchte die
Sache ein wenig anders gestalten.
Im Mai 2012 erschien "Zwei Welten" als ein für die Wise
Guys übliches A-capella-Album. Im September wurde das Ganze dann als
instrumentiertes Album veröffentlicht. Die Songauswahl ist auf
beiden CDs nicht ganz identisch: Drei Titel der A-capella-CD sind
nicht auf der instrumentierten vertreten, dafür vier andere Songs,
die zuvor auf früheren Alben als A-capella-Version erschienen sind.
Ich nehme nun die Songs vom instrumentierten Album einzeln unter
die Lupe, vergleiche sie mit der jeweiligen A-capella-Fassung und
bewerte sie folgendermaßen:
0 = kannste vergessen
1 = nicht so besonders
2 = ganz passabel
3 = gut
4 = sehr gut
5 = das perfekte Meisterwerk
Die erste Zahl gilt jeweils für die A-capella und die zweite für
die instrumentierte Version. Ich habe auch Zwischenwerte vergeben,
ansonsten hätte ich die manchmal geringen qualitativen Unterschiede
nicht herausstellen können.
Die Sonne scheint mir auf den Bauch
Im Vergleich zu den
anderen Songs gehört das Lied zu den etwas schwächeren Titel. Die
A-capella Version finde ich durch den von Ferenc gesungenen Bass und
das gute Mouthdrumming grooviger. Das nette Bläserarrangement bei
der instrumentierten Fassung gleicht die Sache zum Unentschieden aus.
Song 2 : 2
Zwei Welten
Ein starker Song, in beiden Versionen. Bei
den Strophen kommt der gesungene Bass besser als der gespielte, und
das Mouthdrumming topt ebenfalls die realen Drums. Das wird durch die
Instrumental-Power im Refrain kompensiert. Dort gefällt mir
besonders die dynamische Overdrive-Gitarre. Unterm Strich deshalb
wieder ein Unentschieden.
Song 3,5 : 3,5
Gesamt 5,5 : 5,5
Ich bin aus Hürth
Aggro Hürth
Dieses Stück groovt in beiden
Versionen ordentlich. Mir gefällt die instrumentierte einen Tick
besser. Dort gibt es vielfältigere Harmonien (beim A-capella hängen
die Strophen ausschließlich auf dem E-Dur-Akkord) und die
Hintergrundeffekte sind cool (besonders ab 2 Min. 15). Der Text ist
eine witzige Parodie auf jugendliche Kuhkaff-Gangster, die sich für
harte Ghetto-Typen halten. Nach dem Konzert in Siegen meinte ich zu Sari, man würde merken,
dass ihm diese "Aggro-Hürth-Nummer" einen unglaublichen
Spaß macht. Er daraufhin augenzwinkernd: "Ja, stimmt - und
jetzt darf ich endlich mal zeigen, was ich wirklich kann!"
Sari und Udo
Wenn man Sari und mich so nett auf dem Foto sieht, könnte man
vielleicht meinen, wir wären alte Kumpels. Ganz so ist es nicht.
Eigentlich kenne ich Sari und seine Kollegen so richtig nur zu 50 % -
das heißt, ich kenne sie, sie mich aber nicht. Ist doch nett, dass
sie trotzdem mit mir reden, oder? Das Bild ist leider verwackelt. Das liegt daran, dass Eddie gerade
in der Nähe stand. Carmen war so aufgeregt, dass sie die Kamera
nicht mehr stillhalten konnte.
Song 3,5 : 4
Gesamt 9 : 9,5
Ich weiß nicht, was ich will
Nils' Stimme kommt gut,
aber ansonsten ist der Song keine Offenbarung. Als A-capella
vielleicht noch ganz nett, erreicht er mich instrumentiert nicht
wirklich. Besser finde ich, dass nur in den Strophen nach dem G-Dur
Grundakkord ein H-Moll anstelle des D-Dur gespielt wird. Aber das
sind Peanuts und interessiert am Rande höchstens komponierende oder
arrangierende Musiker. Auf jeden Fall reisst es das nicht hoch.
Song 2 : 1,5
Gesamt 11 : 11
Lauter
Dynamisches Stück. Wegen der rockigen
Stromgitarre gibts 'nen halben Punkt mehr für die instrumentierte
Version.
Song 3 : 3,5
Gesamt 14 : 14,5
Tanzen im Regen
Ein eher unauffälliger Song,
aber sonst ganz nett. Mouthdrumming gefällt mir besser als das
Schlagzeug.
Song 3 : 2,5
Gesamt 17 : 17
Deutsche Bahn
Der Song macht einfach Spaß!
Der Text ist witzig und Sari passt als Leadsänger wie die Faust aufs
Auge. Das Stück swingt, was das Zeug hält. Zwei kleine Unterschiede
sind mir erst aufgefallen, als ich mir für diesen Beitrag beide
Versionen mehrmals direkt hintereinander angehört habe:
Instrumentiert ist die Tonart nicht E-Dur, wie beim A-capella,
sondern einen Halbton tiefer. Außerdem ist die BPM-Rate einen Tick
geringer (d.h. das Tempo läuft ein wenig langsamer). Aber im Grunde
ist das wurscht, weil es so oder so sehr gut klingt. Das
Big-Band-Arragement - besonders die Bläser - finde ich so genial,
dass es für die instrumentierte Version noch ein halbes Pünktchen
mehr gibt. Das hätte selbst Tommy Dorsey nicht besser hingekriegt.
Song 4 : 4,5
Gesamt 21 : 21,5
Nach Hause
Dän und Udo
Ein schöner Song, den Dän sehr gefühlvoll rüberbringt. Der Text ist ausdrucksstark. Bei der instrumentierten Version
gefällt mir besonders gut, dass der Refrain immer zweistimmig gesungen wird, was
bei der A-capella Version nur ganz zum Schluss der Fall ist. Ansonsten sind beide Versionen gleich gut, deshalb unentschieden.
Das Bild
mit Dän (der an diesem Tag Geburtstag hatte) und mir ist ein wenig
verwackelt. Eddi ging an uns vorbei und da konnte Carmen sich nicht
mehr richtig konzentrieren.
Song 3,5 : 3,5
Gesamt 24,5 : 25
Schönen guten Morgen
Das Video dazu ist zum
Brüllen - mindestens genauso lustig wie "Ich bin aus Hürth"
- schauspielerisch guter Slapstick. Die Strophen sind sehr seicht und
dann rockt das Stück im Refrain richtig ab (wohlgemerkt bei der
A-capella Version). Dadurch entsteht ein ulkiger Kontrast innerhalb
des Songs.
Kurz bevor die instrumentierte Fassung erschien,
stellte ich mir in meiner Fantasie vor, wie der Sound mit den
Instrumenten klingen könnte. Als der Song dann wirklich draußen
war, war ich vom Refrain ein wenig enttäuscht. Da hätte man mehr
daraus machen können. Schauen wir uns dazu mal die Drums an
(Achtung, für Nichtmusiker wird's nun kompliziert! Wer keinen Bock
darauf hat, kann den Absatz ja überspringen):
A-capella wird in jedem zweiten Takt per Mouthdrumming
jeweils mit zwei Viertelnoten die "Drei" (also die Worte
"zu", "ruh", "wach" und "Krach")
und direkt danach die "Vier" betont. Die imitierte Snare
kommt dabei ziemlich wuchtig rüber. Das rockt! Bei der
instrumentierten Version fehlt genau dieser Effekt, denn der Drummer
lässt die "Vier" komplett weg. Die Takte 10 und 12 haben
zwar einen "Doppelschlag" (in der gesangfreien Phase nach
"Morgen"), das hat aber durch die unterschiedlichen
Notenwerte eine andere Wirkung (auf der"Drei" liegt nur
eine Achtel und der zweite Schlag kommt dann entsprechend früher).
Die knallige Wirkung der A-capella Aufnahme hätte man nicht nur
beibehalten, sondern mit den Instrumenten sogar noch verstärken
können. Ich hätte die Snare so richtig krachen lassen, am besten
mit beiden Sticks gleichzeitig auf "Drei" und auf "Vier",
ordentlich Hall und etwas Echo draufgelegt, die
Delay-Verzögerungszeit ziemlich kurz eingestellt bei nur einem
Repeat. So in etwa. Die genauen Einstellungen kann man im Tonstudio
austüfteln.
Das war nur ein Detail. Es gäbe noch mehr
Möglichkeiten zum Optimieren, aber das würde hier den Rahmen
sprengen. Natürlich entspringen diese Vorstellungen meinem
subjektiven Geschmack. Und das könnt Ihr, liebe Wise Guys, ja
durchaus anders sehen. Seht mein Geschreibsel einfach als Feedback.
Meine Lobeshymnen kommen übrigens später noch.
Song 3,5 : 2,5
Gesamt 28 : 27,5
Radio
Dieser "eingewechselte" Song
stammt ursprünglich vom 2006 erschienenen gleichnamigen Album.
Damals gefiel er mir schon recht gut. Nun bekommt er nun durch die
gelungene Instrumentierung noch eine Portion mehr Drive. Sehr schönes
Stück!
Song 3 : 4
Gesamt 31 : 31,5
Das war nicht geplant
Nils und Udo
Klasse Nils! Du hast so viel Gefühl in diesen Song reingepackt
und Dich damit selbst übertroffen. Beide Versionen sind richtig gut
gelungen. Beim Live-Konzert klang es so ähnlich, wie auf dem
instrumentierten Album. Die Wise Guys sind hier nur zu dritt
aufgetreten: Nils als Leadsänger, Dän an der Gitarre, und Eddi hat
Mandoline gespielt. Manchmal ist weniger mehr. Das Lied ist ein Beispiel dafür, wie
man auch mit einer relativ schlichten Instrumentierung eine tolle
Atmosphäre zaubern kann. Der letzte Teil lässt das Stück durch den
dreistimmigen Gesang sehr wohlig ausklingen.
Das Bild mit Nils ist ausnahmsweise mal
nicht verwackelt, denn Eddie war diesmal irgendwo anders.
Song 4 : 4
Gesamt 35 : 35,5
Tief im Süden
Ich liebe diesen Song! Der Text ist
grandios. Hier der Refrain:
"Eine andere Welt, eine andere Zeit.
Die Sonne
gibt den Takt an, der Himmel ist weit.
Die Kunst zu leben, ohne zu
ermüden.
Tief im Süden.
Eine andere Welt, ein anderes
Land.
Total entschleunigt, völlig entspannt.
Keine Show, kein
Getue, keine Plattitüden.
Tief im Süden."
Das ist stark! In den Strophen findet man tolle Sätze
wie "Als ob jeder jedem und keiner keinem was schuldet."
oder das Wortspiel "Lass uns so schnell wie möglich wieder
langsam werden."
Lieber Dän, hier ist Dir ein verbales Meisterwerk
gelungen! Und damit nicht genug! Melodie, Gesang, Harmonien, Rhythmus
- alles passt hervorragend zusammen und versetzt regelrecht in eine
"mediterane Stimmung". Ich bin vor vielen Jahren im
Dezember mehrere Tage mit dem Auto die spanische Mittelmeerküste
entlanggefahren. Zu dieser Jahreszeit waren dort keine Touristen
unterwegs. Es war so schön entspannend, in einem Fischerdorf im Café
zu sitzen und den Einheimischen bei ihren Tätigkeiten oder beim
Spielen zuzusehen. Diese Bilder werden in mir wach, wenn ich das Lied
höre. Beide Versionen sind super - ein Unentschieden auf extrem
hohen Niveau.
Song 4,5 : 4,5
Gesamt 39,5 : 40
Nur für dich
Anfang 2008 kam Nils Olfert zu
den Wise Guys, weil sein Vorgänger Clemens Tewinkel sich beruflich
verändern wollte. Nils passt hervorragend in die Band und ist
stimmtechnisch sogar der etwas bessere Sänger. Es gibt allerdings
einen Song, bei dem ich Clemens vermisse. "Nur
für dich" war einfach sein Ding! Auf der
Bühne ließ er seine herrliche Mimik spielen: Zu Beginn des Liedes
schaute er so traurig, dass man ihm am liebsten ein Eis gekauft
hätte, damit er nicht zu weinen anfängt. Von depressiv und
verzweifelt, ändert sich später seine Physiognomie in
"zornig-selbstbewusst" und ganz zuletzt in
"verachtend-verarschend". Instrumentiert finde ich das
Stück recht gut gelungen, aber die alte Version aus dem Album "Wo
der Pfeffer wächst" hat meiner Meinung nach noch mehr
"Atmosphäre".
Song 4 : 3
Gesamt 43,5 : 43
Mein Morgen am Meer
Ein schöner Song, fast
so gut wie "Tief im Süden", womit er auch in gewisser
Weise "verwandt" ist. Ein leichtes Plus für die
instrumentierte Version. Abermals steigen viele Bilder in mir auf.
Diesmal erlebe ich nicht die Fahrt an der spanischen Küste, sondern
meine vielen Urlaube auf den Nordseeinseln. Auch hier hat Dän wieder
einen tollen Text geschrieben. Hier meine Lieblingsstelle:
"Der Wind frischt auf und pustet mir den Staub aus
den Gedanken,
und gibt mir das Gefühl er hebe unsichtbare
Schranken,
und nach langer Zeit krieg ich es erstmals wieder
hin
an den Weg zu glauben, auf dem ich gerade bin."
Song 3,5 : 4
Gesamt 47 : 47
Jetzt ist Sommer
Das Lied aus dem Album "Ganz
weit vorne" ist der Hit der Wise Guys überhaupt. Jedes Mal,
wenn er Live gesungen wird, steht das Publikum auf und feiert den
Song singend, klatschend und tanzend. Er macht einfach gute Laune.
Bei einer solch guten Stimmung überhört man auch gerne den weniger
gelungenen äquivoken Reim (mit den homophonen Endsilben von
"Gummiboot" und "Hausverbot"). Da gibt es
wirklich Schlimmeres, wie z.B. ein bekannter Hit von Wolfgang Petry,
über dessen Wortakrobatik sich Dän vor Jahren mal lustig gemacht
hat. Worüber ich allerdings nicht hinwegsehe, ist die Verhunzung der
neuen Version. Die Instrumentierung ist total lahmarschig. Die Stimme
des sonst echt hervorragenden Dän klingt so lustlos, als hätte
jemand ihn breitgeschlagen, das Lied gegen seinen Willen aufzunehmen,
weil es unbedingt mit aufs Album sollte. Wenn ich die "Zwei
Welten" höre, überspringe ich das Stück meistens und behalte
es lieber so im Ohr, wie ich es von früher
her kenne.
Song 4 : 1
Gesamt 51 : 48
Jetzt ist deine Zeit
Wow! Der Song ist in der
A-capella Version wahrhaft meisterlich! Wie die Wise Guys nur mit dem
Einsatz ihrer Stimmen einen solchen Sound hinbekommen - einfach
faszinierend! Natürlich weiß ich, dass man im Studio mithilfe von
Kompressor und Soundeffekten einiges optimieren kann. Ein solch
hervorragendes Ergebnis kann man aber nicht erzielen, wenn die Sänger
nichts taugen. Scheiße bleibt auch dann Scheiße, wenn man es mit
Goldfarbe besprüht und ein Blümchen reinsteckt. Hier kommt beides
zusammen, was man für ein außergewöhnliches Resultat benötigt:
sehr gute Stimmen und sehr gute Technik.
Dieses Stück ist mein persönlicher Lieblingssong der
"Zwei Welten" A-capella. Ich gebe ihm daher die
Höchstwertung von 5 Punkten. Wenn überhaupt, dann gibt es nur eine
Randerscheinung, die ich als nicht perfekt ansehe: Das Panorama des
Mouthdrumming ist extrem (wandert zwischen dem rechten und dem linken
Kanal hin und her) und der Phaser-Effekt ist sehr stark. Hört man
den Song mit Kopfhörern, ist das "too much". Aber das kann
dem gewaltigen "Gänsehautpotential" nichts anhaben. Leider
finde ich die instrumentierte Version nicht so gut gelungen. Es ist
eine Art Syntie-Pop-Mix mit viel "Erasure", ein wenig
"Depeche Mode" und ein paar Zutaten anderer 80er Bands des
Genres. Das hört sich aber alles wie gewollt und nicht gekonnt an.
Es klingt irgendwie "flach" und passt meiner Meinung nach
überhaupt nicht zu den Wise Guys.
Eddi und Udo
Es gibt es sogar das Buch zum Lied. Eddi erzählt im Paperback
"Jetzt
ist deine Zeit - Mein Weg, das Leben zu genießen"
von den spirituellen Melodien seines Lebens, von Sinnsuche und vom
Leben im Jetzt. "Der Fingerabdruck Gottes ruht auf allem, was
einem begegnet." Eine bemerkenswerte Aussage vom Leadsänger
dieses Titels.
Wieso ist das Bild mit Eddi und mir eigentlich nicht verwackelt?
Song 5 : 1
Gesamt 56 :49
Seemann
Ferenc hatte im Dezember seinen
letzten Auftritt mit den Wise Guys. Als ich ziemlich genau vor einem
Jahr von dem anstehenden Ausstieg des begnadeten Bassisten erfuhr,
hatte ich sogar den Gedanken, mich selbst als Nachfolger zu bewerben.
Ich hab es dann doch nicht getan. In der Vergangenheit hatte ich
einige musikalische Projekte, doch in den letzten Jahren war in
dieser Hinsicht Sparflamme. Bei einer ernsthaften Bewerbung wäre ich
mir so vorgekommen, als wollte ich bei einer Mannschaft mit
Champions-League-Ambitionen als Mittelfeldspieler mitmischen, wäre
selbst aber vor zwei Jahren das letzte Mal in der 3. Liga
eingewechselt worden, bei Arminia Bielefeld oder so. Für den 1. FC
Köln könnte es vielleicht noch reichen. Aber aufgrund von
"Trainingsrückstand" und "fehlender Spielpraxis"
bekäme ich sicherlich nie beim FC Bayern oder dem BVB ein
Probetraining. Aber zu diesen Clubs würde ich ja sowieso nicht
gehen, dann lieber zu Schalke.
Die Wise Guys haben sich für den Italiener Andrea
Figallo entschieden. Der hat aber nicht in der "Serie A",
sondern in der "Premier League" gespielt. Sein früheres
Team, die Flying Pickets, war in den 80ern sogar "Meister"
(Nr. 1 mit "Only
You"). Das war aber vor seiner Zeit.
Zuletzt ging es für ihn und seine Mannschaft vielleicht höchstens
um den "Klassenerhalt". Von daher war für Andrea der
Wechsel zu den Wise Guys sicherlich ein Karrieresprung. Doch er ist
alles andere als ein Nobody und hat bewiesen, dass er musikalisch
einiges draufhat, sei es als Bass bei Bobby McFerrins Projekt
VOCAbuLarieS
oder als Dirigent des Don
Camillo Chores.
Hoffentlich wird Andrea von den Fans der Wise Guys
angenommen, denn der Schatten des genialen Ferenc Husta ist
riesengroß. Es lässt sich wahrscheinlich gar nicht vermeiden, dass
Andrea an Ferenc gemessen wird und man die beiden miteinander
vergleicht. Das könnte ein Problem werden, muss es aber nicht
unbedingt. Andrea hat andere Stärken und sollte diese irgendwie zur
Geltung bringen können. Dafür braucht er einen Freiraum, den die
anderen Bandmitglieder ihm verschaffen sollten. Vielleicht wäre es
klug für die Wise Guys, öffentlich zum Ausdruck zu bringen, dass
Andrea nie ein zweiter Ferenc sein wird, dafür aber auf seine eigene
Art gut ist. Es könnte seinen Integrationsprozess, bei dem die
Anerkennung der Fans wichtig ist, erleichtern. Aber die Wise Guys
wissen sicherlich, wie sie mit dieser Aufgabenstellung umgehen
müssen. Bei Nils hat das ja auch hervorragend geklappt. Und der neue
Mann wird das sicherlich ebenfalls packen. Caro Andrea, ti auguro
tanto successo e buona fortuna! (Das letzte Wort ist keine Anspielung
auf den Fußballclub der "verbotenen Stadt", in der das
Bier so schmeckt, wie es heißt).
Ferenc Husta
Und was macht Ferenc nun, nachdem er die Koffer gepackt
hat? Er fährt zur See, wie er uns im letzen Lied der CD mitteilt.
Ihn packt "die Sehnsucht nach Stürmen und Meer", und er
singt "der Wind treibt mich mit Macht hinaus". Seine arme
Frau muss sich mit "wenn die Zeit reicht, dann werd ich dir
schreiben" begnügen. Aber dann verrät er in einem Nebensatz,
dass er nur die "Rheinautofähre von Niederdollendorf nach
Godesberg" fährt. Tja, Ferenc, erwischt! Die ganze Aktion war
also nur ein Trick, um Dich von zu Hause loszueisen. Von Godesberg
nach Essen sind es gerade mal 100 Kilometer. Du könntest locker nach
einer Wochenschicht nach Hause fahren, um dann wenigstens zwei Tage
mit Deiner Frau zu verbringen.
Wer beim Hören einfach mal den ansonsten netten Gag
mit der "Rheinautofähre" ignoriert, bekommt ein echtes
"Hamburger-Hafen-Feeling". Beide Versionen kommen
authentisch rüber, doch der "Shantychor" gefällt mir
besser als die "Hafenkneipenband".
Song 3 : 2
Gesamt 59 : 51
Fazit:
Beide Teile der "Zwei Welten"
gefallen mir sehr gut. Nach den ersten 14 Songs lagen sie noch
gleichauf. Dann hat sich aber doch A-capella klar abgesetzt, was an
den zwei "instrumentierten Aussetzern" lag.
Im Vorfeld habe ich den Vergleich mit anderen Fans in meinem
Umfeld diskutiert. Dabei habe ich festgestellt, dass die meisten
unter ihnen A-capella noch wesentlich deutlicher bevorzugen, als das
bei mir der Fall ist. Die Wise Guys sind eine A-capella Band.
Als solche kennen und lieben wir sie. Mit diesem Erkennungsmerkmal
sind sie äußerst erfolgreich geworden. Wäre das instrumentierte
Album zu Beginn ihrer Karriere erschienen, hätten sie wohl kaum das
große Feld der Bedeutungslosigkeit verlassen. Doch mit ihrer
Fähigkeit, gute A-capella Musik auf humorvolle Weise zu
präsentieren, haben sie die passende Marktnische gefunden, in der
sie mittlerweile die Pole-Position besetzen. Jetzt, wo sie berühmt
und erfolgreich sind, dürfen sie etwas ausprobieren, ohne dass es
ihrer Beliebtheit einen Abbruch tut. Das haben sie mit "Zwei
Welten" getan, und das ist auch okay so.
Und wenn Euch Wise Guys in ein paar Jahren ein neues Experiment
einfällt - dann nur zu! Probiert aus und habt Spaß dabei! Der wahre
und dauerhafte Erfolg kann aber nur in Eurer Kernkompetenz
liegen - und die ist und bleibt A-capella!